Die Memoiren des Josh K. Phisher

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Archiv für Juni 2010

Mahlzeit

Geschrieben von princo am 29.06.2010

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die aktuelle Versorgungslage des DFB-Teams derzeit wohl … eher … suboptimal  … ist:

(DirektBohrer)

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#geiselnahme #leipzig #medienkritik

Geschrieben von princo am 24.06.2010

Am 15.05.2010  nahm ein Mensch in einer H&M-Filiale in Leipzig eine Reihe von Geiseln. Diese Geiselnahme ging nach einigen Stunden unblutig zu Ende.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit den medialen Auswirkungen dieses Ereignisses. Er erscheint mit einigen Tagen Abstand, da ich zuerst die Stellungnahme eines der Zeugen abwarten wollte.

Kurz nach dem Bekanntwerden dieser Geiselnahme wurden über den Online-Dienst Twitter diesbezügliche Meldungen publiziert Diese Meldungen wurden zuerst von den Menschen verbreitet, welche sich in unmittelbarer Umgebung der Geiselnahme befanden.

Es wurde darüber berichtet, wo sich die Einsatzkräfte befanden, welche Absperrmaßnahmen durchgeführt wurden, und ob Rettungswagen bereit standen.

Diese Angaben basierten allerdings auf subjektiven Wahrnehmungen und Interpretationen. So wurden z.B. Polizei- und SEK-Kräfte wild durcheinandergewürfelt und über den aktuellen Verhandlungsstand konnten nur Vermutungen angestellt werden. Es konnte also nur über das berichtet werden, was offensichtlich sichtbar war.

Die Webseite der lokalen Zeitung brach sofort unter dem Ansturm informationshungriger Interessenten zusammen, die einzige aktuelle (aber unsichere) Nachrichtenquelle war der Online-Dienst Twitter.

Der Twitteruser @Konni (Konstantin Winkler, ein Redakteur von 90elf) war zufällig vor Ort, und berichtete live vom Geschehen. Für diese Berichterstattung wurde er hart kritisiert (meiner Meinung nach zu Unrecht) und er hat sich dazu in einem Blogartikel ausführlich geäußert.

Für den nachfolgenden Exkurs sei zuerst auf die Geschehnisse der Geiselnahme von Gladbeck verwiesen. Damals spielten die Medien eine sehr unrühmliche Rolle bei der Berichterstattung, weil die Reporter aktiv in den Verlauf der Geiselnahme eingegriffen haben, welche mit dem Tod von zwei unschuldigen Menschen endete.

Die Ereignisse in Gladbeck waren sehr einschneidend, und regten heftige Diskussionen auf verschiedenen Ebenen an. Darunter auch über die Rolle der damals beteiligten Journalisten. Als eine Folge davon wurde der Pressekodex erweitert. Das betraf vor allem die Richtlinie 11.2 – Berichterstattung über Gewalttaten:

„Bei der Berichterstattung über Gewalttaten, auch angedrohte, wägt die Presse das Informationsinteresse der Öffentlichkeit gegen die Interessen der Opfer und Betroffenen sorgsam ab. Sie berichtet über diese Vorgänge unabhängig und authentisch, lässt sich aber dabei nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen. Sie unternimmt keine eigenmächtigen Vermittlungsversuche zwischen Verbrechern und Polizei.
Interviews mit Tätern während des Tatgeschehens darf es nicht geben.“

Ich habe die Ereignisse in Leipzig über Twitter mitverfolgt, und habe auch die Kurznachrichten von @Konni mitbekommen. Im Wesentlichen hat er darüber berichtet, daß er vor Ort ist, wo die Geiselnahme stattfindet, daß Geiseln freigelassen wurde, daß die Polizei Absperrungen vornimmt, daß das SEK eingetroffen ist, daß die Polizei telefonisch Kontakt zum Geiselnehmer aufgenommen hat, und daß Kamerateams vor Ort eingetroffen sind.

Das waren alles Dinge, welche er von seinem Standpunkt aus wahrnehmen konnte, und die offensichtlich waren. Er hat tatsächlich unabhängig und authentisch berichtet, und sich dabei nicht als Werkzeug des Täters mißbrauchen lassen. Er hat dabei weder eine Polizeiabsperrung umgangen, noch hat er den Kontakt mit dem Täter gesucht.

Meines Erachtens hat er weder gegen den Pressekodex verstoßen, noch sonstige Anstandsregeln verletzt.

Trotzdem wird er von einigen Wichtigtuern schwer angegangen (Links dazu findet ihr in seinem Artikel und den dortigen Kommentaren). Folgt man deren wirrer Argumentation, so wäre wohl jegliche Live-Berichterstattung grundsätzlich unzulässig, weil da ja immer nur subjektiv berichtet werden kann, und außerdem der Geiselnehmer wichtige polizeitaktische Details erfahren könnte.

Mal ganz abgesehen davon, daß @Konni gar nichts „polizeitaktisch relevantes“ getwittert hat, ist die Anlehnung an „Gladbeck“ in der Argumentation erkennbar.

Dieser Vergleich läuft aber komplett ins Leere, wenn man die Hintergründe der beiden Ereignisse miteinander vergleicht. In Gladbeck handelte es sich um einen mißglückten Raubüberfall (mit anschließender Geiselnahme und Flucht), während der Täter in Leipzig mit seiner Aktion gezielt die Öffentlichkeit erreichen wollte.

Bei dem einen Fall waren zwei professionelle  Schwerkriminelle am Werk, welche eigentlich gar nicht in die Öffentlichkeit wollten, im anderen Fall ein möglicherweise verwirrter Einzeltäter, der diese Öffentlichkeit gezielt gesucht hat.

Soweit ich er mitbekommen habe, wollte der Leipziger Täter ein Interview mit einem Radiosender führen, was er wohl auch bekommen hat, um auf seine persönlichen Probleme aufmerksam zu machen. Ob dieses Interview dann auch tatsächlich ausgestrahlt wurde entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich nehme an, daß dies nicht geschah (bitte korrigiert mich an dieser Stelle, wenn nötig).

Unter rein logischen Gesichtspunkten betrachtet, war diese Aktion natürlich blödsinnig, denn er hätte auf seine Situation auch aufmerksam machen können, ohne dafür eine Straftat zu begehen. Heutzutage stehen einem viele Möglichkeiten dafür zur Verfügung.

Konrad Winkler hat sich in seiner Situation so verhalten, wie ich es eben von einem Journalisten erwarten würde. Er war vor Ort, und er hat das ihm in der Situation zur Verfügung stehende Kommunikationsmittel (sein Handy) benutzt, um seinen Bericht abzuliefern. Diesen Bericht hat er nicht über eine Redaktion laufen lassen, sondern gleich und ungefiltert der ganzen Welt zugänglich gemacht.

Aber er war nicht der Einzige, der das getan hat. Auch andere Twitterer haben über die Absperrungen und das Sirenengeheul berichtet, weil sie eben vor Ort waren.

Ist das verwerflich? Sind diese Leute jetzt automatisch gleichzusetzen mit Gaffern, die polizeiliche Maßnahmen behindern? Das kann man im Gesamtzusammenhang wohl kaum aufrecht erhalten.

Wird dabei die Sensationsgier bedient? Möglich, aber das macht auch jeder Zeitungsartikel über dieses Ereignis.

Viel interessanter finde ich aber einen Aspekt, der in der ganze Diskussion bisher noch gar nicht thematisiert wurde, m.E. aber in der Zukunft eine ganz wesentliche Rolle spielen könnte: Was ist eigentlich, wenn sich ein Täter tatsächlich selbst dieser Kommunikationskanäle wie Twitter bedienen würde?

Besonders für Täter die „eine Mission zu erfüllen“ haben, wäre das wohl eine ziemlich interessante Sache.

Dazu müßte derjenige sich nicht mal die Mühe machen, selber auf Diensten wie Twitter aktiv zu sein, es würde vüllig ausreichen, so jemanden unter seine Geiseln zu haben, und denjenigen einfach über die Geschehnisse twittern zu lassen. Die mediale Aufmerksamkeit wäre einem gewiss, und man wäre auch nicht auf Verhandlungsangebote der Polizei angewiesen um seinen Schmarren in die Welt zu senden.

Ich bin mir sicher, daß wir solche Vorfälle in Zukunft tatsächlich erleben werden.

Und damit sind übrigens die ganzen Diskussionen über Medienethik in dieser Beziehung hinfällig. Der Täter kann selber publizieren, sobald ihm die Aufmerksamkeit gewiß ist. Er bräuchte sich dabei weder an einen „Pressekodex“ noch an sonst etwas halten Natürlich könnte man versuchen, dies zu verhindern, in dem man sämtliche Kommunikationsinfrastruktur in dem betreffenden Areal zeitnah[!] abschaltet, aber das dürfte derzeit noch schwieriger sein, als nur eine Telefonleitung zu kappen.

Daß dieser Gedankengang gar nicht so abwegig ist, läßt sich übrigens hier zumindest erahnen. Im verlinkten Artikel befindet sich eine Bilderstrecke, wo auf der ersten Aufnahme ein Bild des Leipziger Geiselnehmers zu sehen ist. Dieses Bild wurde ganz offensichtlich von einer Geisel mit einem Fotohandy aufgenommen.

Welche mediale Aufmerksamkeit hätte dieses Bild wohl erfahren, und welchen Druck hätte es ausüben können, wenn es bereits während der Geiselnahme veröffentlicht worden wäre?…

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Die Million geknackt

Geschrieben von princo am 23.06.2010

Derzeit „1,017,144 hits“ für dieses Blog, ich danke meinen Lesern und den ganzen Spambots, ohne die das wohl kaum möglich wäre.

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innerer Reichsparteitag – Skandal der Ahnungslosen

Geschrieben von princo am 14.06.2010

Während der Halbzeitpause des WM-Vorrundenspiels Schland gegen Australien benutzte die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein im Gespräch mit Oliver Kahn eine Formulierung, welche eine große Welle der Empörung  auf Online-Diensten wie Twitter und Facebook auslöste.

Hier die betreffende Passage:

Es geht um die Formulierung „… und für Miroslav Klose ein innerer Reichsparteitag. Daß der heute hier trifft…“ (man beachte bitte, daß Oliver Kahn hier nicht stutzt, sondern denn Sinn des Satzes erfasst, und den Gedanken weiterführt).

Nun, auf Twitter sind anscheinend überwiegend junge Leute unterwegs, die die Formulierung „innerer Reichsparteitag“ nicht kennen, aber „Reichsparteitag“ reflexartig als Nazi-Sprech identifizieren und sofort auf die Barrikaden gingen. Es wurden Facebook-Gruppen gebildet, sich echauffierende Blogposts verfasst und sogar eine Copy&Paste-Brief an die ZDF-Redaktion zur Verfügung gestellt.

Hach, wie einfach es doch ist, sich als guter Mensch zu geben.

Dumm ist nur, daß die Formulierung vom inneren Reichsparteitag eben nicht als Indikator für eine Nazigesinnung taugt.

Ganz im Gegenteil, sie ist im ursprünglichen Sinn sogar explizit als Distanzierung davon zu werten. Wer dazu Infos braucht, der kann gerne hier und hier darüber nachlesen.

Nun, möglicherweise ist die Aufregung ganz simpel darauf zurückzuführen, daß auf Twitter überwiegend junge Menschen unterwegs sind, von denen einige ganz heiß auf einen respektablen Shitstorm zu sein scheinen, und denen auch gewisse sprachliche und geschichtliche Kenntnisse abgehen.

Frau Katrin Müller-Hohenstein hat keinen Fehler gemacht. Sie hat vielleicht eine mittlerweile etwas unübliche Formulierung gebraucht, aber sie deswegen in die Nazi-Ecke stellen zu wollen, zeugt wohl eher von unglaublicher Blödheit.

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Perfektes Timing

Geschrieben von princo am 09.06.2010

Jemand, der für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren will, der sollte schon ein gewisses Gespür dafür haben, was beim Volk ankommt, oder eben nicht.

Erinnert ihr euch an das 80 Milliarden-Sparpaket? Das, wo den Hartz4 Empfängern sogar der Heizkostenzuschuss gestrichen wurde? Ist erst einen Tag her.

In dieser Situation dürften solche Äußerungen gar nicht gut beim Volk ankommen.

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