Die Memoiren des Josh K. Phisher

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Archiv für die Kategorie ‘Abuse’

Vorstrafe wegen des Zitierens von Liedtexten

Verfasst von princo am 27.10.2009

Wie man hier oder auch hier nachlesen kann, ist das Zitieren von Liedtexten eine Sache, welche einem sehr schnell eine Vorstrafe einbringen kann. Wahlweise 500 Euro Geldstrafe oder 50 Tage Knast (keine Seifenwitze bitte). Wohlgemerkt: Es handelt sich dabei nicht etwa um indiziertes Liedgut, sondern um frei zugängliche Songs, deren Texte sich jedermann völlig ungehindert hier und hier ansehen kann.

Man könnte nun darüber diskutieren, ob die betreffenden Textpassagen womöglich gegen die AGB von wer-kennt-wen.de verstoßen haben, immerhin handelt es sich dabei um ein Portal, bei dem für die Teilnehmer ein Mindestalter von 14 Jahren gilt.

Es ist allerdings bemerkenswert, daß ein solches Urteil über einen Heranwachsenden gesprochen wird, ohne daß er überhaupt Kenntnis von dem Verfahren, geschweige denn die Möglichkeit einer Anhörung hatte.

Bin gespannt, wie die Sache weiter geht.

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Battleship „fefes Blog“

Verfasst von princo am 22.10.2009

Der von mir sehr gern gelesene fefe hat in den letzten Tagen ein paar Bemerkungen in Richtung Wikipedia abgelassen.

Dann hat sich einer den Spaß gemacht, und einen Wikipedia-Artikel über fefes Blog verfasst. Bereits eine Minute nach Veröffentlichung hat jemand versucht, diesen Artikel löschen zu lassen.

Der absolute Knaller ist aber die derzeit laufende Löschdiskussion, bei der einigen Lösch-Trollen in der Wikipedia kein Argument zu dämlich ist, warum dieser Artikel unbedingt wieder verschwinden muß. Damit belegen sie aber (unfreiwillig?) genau die Kritikpunkte, welche fefe angesprochen hat.

Die Sache mit fefe und auch die Löschung des Artikels über MOGIS, was der eigentliche Auslöser war, zeigen sehr deutlich, daß die Wikipedia derzeit ein ganz massives Glaubwürdigkeitsproblem hat.

fefe hat einige sehr krasse Beispiele aufgeführt, die zeigen, wie in der Wikipedia systematisch Informationen verfälscht werden, Stichwort „zu Tode kürzen„.

Ja, die dortige Diskussion wird sehr aufgeregt und teilweise unsachlich geführt, wobei die Unsachlichkeit immer bei den Löschbefürwortern auftritt (könnt ihr in der Löschdiskussion leicht nachlesen).

Allerdings hat sich die Wikipedia-Community die Suppe selbst eingebrockt. Es geht gar nicht um den Eintrag von fefes Blog, sondern um das, was dieser Eintrag ausgelöst hat, und wie damit umgegangen wird. Der Eintrag selbst ist in gewisser Hinsicht tatsächlich nicht mal besonders relevant (fefe legt selbst gar keinen Wert darauf), aber um das zu verstehen, müßte man eine Weile bei fefe mitgelesen haben.

Interessant übrigens, daß sich die Wikipedia-Admins für ein Beibehaltung des Artikels aussprechen, sich aber gleichzeitig am liebsten in ein ganz dunkles Mauseloch verkriechen möchten, weil denen wohl noch am ehesten klar ist, welches Schwergewicht fefe in der Medienlandschaft tatsächlich darstellt.

Da wird in den nächsten Tagen noch ganz großes Kino in der Wikipedia stattfinden, und ich werde mich prächtig dabei amüsieren können.

Es besteht eine gewisse Hoffnung, daß die Wikipedianer den Warnschuß irgendwann doch verstehen, und anfangen, ihre ureigenen Probleme, was die Erstellung und Pflege einer Enzyklopädie betrifft, anzugehen.

Ich wünsche es ihnen jedenfalls von ganzen Herzen.

PS: Falls hier irgendwelche Meckerer aufschlagen, ich habe an der Wikipedia nie mitgearbeitet, und habe dies auch nicht vor. Allerdings habe ich mich über die Löschung von MOGIS-Verein und den anderen Manipulationen und faktischen Geschichtsfälschungen sehr aufgeregt. Das ist einfach eine riesige Sauerei gewesen, und ich bin fefe sehr dankbar, daß er die Dinge so auf den Punkt gebracht hat. Diese Ignoranz und Blockwartmentalität sollte es in der Wikipedia einfach nicht geben.

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Ein Kessel Buntes

Verfasst von princo am 08.10.2009

Da wäre erstmal ein schönes Photo, welches belegt, wie wichtig die richtige Perspektive beim Photographieren ist:

ankle

Dann hätten wir hier noch den Versprecher des Jahres, beim dem über die sog. „Fisting-Attacken“ berichtet wird:

(DirektFisting)

Dann keimte heute kurz Hoffung auf, als pöse Hacker den Webauftritt der CDU Gengenbach modifizierten, und dort den Rücktritt des Innenministers bekannt gaben:

Ruecktritt_Schaeuble

Nebenbei wurde heute ganztägig über den Volksempfänger das Radio verkündet, daß es in Berlin eine riesige Razzia gegeben hat, bei der 26 Wohnungen durchsucht wurden.

Dabei wurden allerdings weder Waffen noch Sprengstoff gefunden, und auch die dabei festgenommenen Personen sind gleich wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Leute, die keine Experten sind, würden die ganze Aktion wohl als „Schuß in den Ofen“ bezeichnen.

Dazu passt auch gut ein Hinweis auf die beiden vorsorglich festgenommenen Personen in München, wo sich jetzt herausgestellt hat, daß an der ganzen Sache nie etwas dran war. Die Festgenommenen haben nix, aber auch gar nix angestellt. Es ist nicht nur die gnadenlose Unfähigkeit der Ermittlungsbehörden, welche hier betroffen macht, sondern, daß diese Aktion sogar mit richterlicher Genehmigung durchgeführt wurde.

Zitat aus dem Beschluß zur Ingewahrsamnahme:

„An die Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts sind umso geringere Anforderungen zu stellen, je größer und folgenschwerer der möglicherweise eintretende Schaden ist.“

Mit einer solchen Begründung kann man wirklich JEDEN einfach so von der Straße weg verhaften. Beeindruckend übrigens, wie viele Menschen deswegen gemeinsam auf die Straße gingen, und mit Lichterketten und Mahnwachen gegen diese völlig grundlosen, und wahnsinnig überzogenen Verhaftungen protestierten.

Zum Abschluß noch ein Link auf ein sehr schönes Bild von der Bauern-Demo in Brüssel.

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Demo „Freiheit statt Angst“ 12.09.2009

Verfasst von princo am 13.09.2009

Ca. 25.000 Menschen nahmen an der Demonstration „Freiheit statt Angst“ in Berlin teil. Es war eine bunte, teilweise laute, und vor allem friedliche Veranstaltung.

Friedlich? Nicht so ganz, denn am Ende der Demo mußten einige Polizisten unbedingt noch ihren Adrenalinstau los werden, und haben einige Demonstranten verprügelt.

Bei  diesem Vorfall war ich nur ca. 20m entfernt, und habe gerade mit René von Nerdcore ein paar After-Demo-Biere gekippt. Es gibt ein Video, welches gerade in den Blogs und sonstigen Medien rumgeht. Ich binde hier mal die „entwackelte“ Version ein.

Zu diesem Vorfall gibt es mittlerweile auch eine offizielle Presseerklärung der Polizei:

„Trotz wiederholter Aufforderungen, den Ort zu verlassen, störte insbesondere ein 37-Jähriger weiter. Die Beamten erteilten ihm schließlich einen Platzverweis. Nachdem auch dieser wiederholt ausgesprochen worden war und der Mann keine Anstalten machte, dem nachzukommen, nahmen ihn die Polizisten fest. Hierbei griff ein Unbekannter in das Geschehen ein und versuchte, den Festgenommenen zu befreien, was die Beamten mittels einfacher körperlicher Gewalt verhinderten.“

Versucht mal, diese Aussage anhand des Videos zu überprüfen:

(DirektGewalt)

Update: Es ist ein Video aufgetaucht, welches kurz vor der Prügelei gedreht wurde:

(DirektVorher)

Weitere Mitteilungen und eine aktualisierte Linksammlung über diese Aktion findet man übrigens bei fefe.

Meiner Meinung nach liegt hier tatsächlich ein krasses Fehlverhalten der Polizisten vor. Der Vorfall spielte sich am äußersten Rande der Demo ab, und der Radfahrer im blauen Hemd stellte keine Bedrohung dar, welche eine solche Maßnahme gerechtfertigt hätte.

Diese Polizisten sind eine Schande für die gesamte Berliner Polizei, und es bleibt zu hoffen, daß hier ernste Konsequenzen gezogen werden. Zum Glück hatten die Einsatzkräfte keine Helme auf (wozu auch, es war ja vorher alles friedlich gewesen), so daß man die Personen eindeutig erkennen kann. Trotzdem stellt sich die Frage, warum Berliner Polizisten immer noch keine eindeutigen Identifikationsnummern haben.

Hier noch ein paar Bilder vom Rest der Demo: Den Rest des Beitrags lesen »

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Vorgestern ./. Heute

Verfasst von princo am 19.08.2009

Schon immer mußten mißbrauchte Kinder herhalten, wenn es darum ging, dem dummen Volk faustdicke Lügen aufzutischen. Das zweite Video zeigt, daß wir aus dem ersten Video nichts gelernt haben.

Auf Deutschland kommen sehr dunkle Zeiten zu, wenn CDU und die FDP die nächsten Wahlen gewinnen sollten.

Aber diesmal kann niemand hinterher behaupten, er hätte von nichts gewußt.

Vorgestern:

(DirektGoebbels)

Heute:

(DirektZensursula)

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BKA-Skandal: Kinderpornographie soll im Netz bleiben

Verfasst von princo am 12.08.2009

Laut einem Bericht der TAZ führt das BKA bereits eine Liste von Seiten mit kinderpornographischen Inhalten (aka. dokumentierter Mißbrauch).

Da das Zugangserschwerungsgesetz noch nicht in Kraft ist, können diese Seiten nicht mit einem Stopp-Schild gesperrt werden.

Auf die Idee, daß man diese Seiten innerhalb weniger Stunden vom Netz nehmen könnte, und auch eine Strafverfolgung der Täter einleiten könnte, kommt anscheinend keiner der Beamten.

Wie oft wurde über dieses Thema schon diskutiert? Jeder Mensch auf der Welt, der einen Internetzugang besitzt, könnte diese Löschung veranlassen. Warum ist das den BKA-Beamten nicht möglich?

Hier ist eine schnelle Antwort auf diese Fragen unbedingt nötig.

Jetzt gibt es den offiziellen Beweis dafür, daß es niemals um die Eindämmung von Kinderpornographie ging, sondern nur um die Schaffung einer Zensurinfrastruktur.

Es ist einfach ekelhaft, ich könnte kotzen.

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Zu Besuch im Euro VIP Casino

Verfasst von princo am 08.08.2009

In meiner kleinen Spam-Analyse hatte ich ja angekündigt, daß ich mir dieses seltsame Euro VIP Casino näher anschauen werde.

Dieses seltsame Casino wird ganz extrem per Spam beworben, und macht bei mir mehr als ein Drittel des deutschsprachigen Spams aus.

Sehr auffällig dabei ist, daß die beworbenen Webseiten ständig (im Prinzip mindestens täglich) wechseln.

Da wären zum Beispiel:

  • casinoclubwonderful.net
  • globalrainbowcasino.net
  • galaxygreatgame.net
  • globalcasinolife.net
  • playcasinoglobal.net
  • vegaskingcasino.net
  • casinolinelife.net
  • playlinecasino.net
  • wonderfulcasinoclub.net
  • casinoclubwonderful.net
  • casinolinevegas.net
  • linestarcasino.net
  • casinolinesilver.net
  • casinovivaglobal.net
  • globalopencasino.net
  • linecasinogreat.net
  • citygreatgame.net
  • casinowonderfulstar.net
  • usw.

Viele Leute wundern sich, wie das Ganze funktioniert. Warum werden Seiten beworben, die am nächsten Tag bereits abgeschaltet sein können? Damit stehen die Leute doch gleich wieder vor verschlossenen Türen. Wie kann man so Geld verdienen?

Die Lösung dafür ist dreigeteilt und ganz simpel:

1. Die genannten Domains sind reine Wegwerf-Webseiten. Die brauchen gar nicht lange existieren, denn es geht dort nur darum, die Opfer dazu zu bringen eine „Zugangssoftware“ zu installieren. Wenn die erstmal installiert ist, dann läuft jegliche weitere Kommunikation nur noch darüber. Die ursprüngliche Seite wird nicht mehr benötigt. Man kann sich dort auch gar nicht „einloggen“ oder ähnliche Dinge tun. Natürlich gibt es auf diesen Seiten auch keinen Hinweis auf den Anbieter, aber dazu später mehr.

2. Auf den Webseiten werden die Inhalte grundsätzlich von einem ganz anderen Server per iFrame eingebunden. Derzeit ist das der Server von „euclubcasino.net“. Dort liegt auch die „Zugangssoftware“, welche man herunterladen soll. Damit will man vermeiden, daß „euclubcasino.net“ in irgendwelchen Sperrlisten landet. Die bespammten Domains können dadurch gefahrlos verbrannt werden. Die müssen nur während der eigentlichen Spamaktion zur Verfügung stehen.

Ich habe mal einen kleinen Screencast erstellt, um zu zeigen, wie das mit der Software funktioniert.

Leider kann ich diesen Screencast nicht direkt auf der Seite einbinden, daher wird  ein extra Fenster geöffnet. Es ist ratsam, sich das Video im Vollbildmodus anzusehen.

Link zum Screencast

Hierbei kommt es mir besonders auf die Demonstration an, wie die diversen „Geschäftsbedingungen“ verpackt werden. Die sind entweder gigantisch umfangreich, oder schlichtweg nicht vorhanden.

Ich habe im Video die eigentliche Anmeldung nicht vorgenommen, habe dies in der Vorbereitung allerdings getan. Dafür habe ich natürlich Fantasiedaten verwendet, weil ich sehen wollte, wie das dort weiter geht. Besonders die Zahlungsmöglichkeiten haben mich besonders interessiert. Einen direkten Hinweis auf den Anbieter habe ich dort übrigens nicht finden können. Dies klärte sich aber recht schnell und auf eine kuriose Weise auf.

Der unerwartete Chat:
Ich klickte also etwas in dieser „Software“ herum, als sich plötzlich und unverlangt eine Art Chatfenster öffnete:

Chat01

Chat02

Chat03

Anscheinend werden dort die Anmeldedaten von einem Humanoiden überwacht, der sich dann recht schnell einschaltet. Sauber.

Lustigerweise konnte er mir nicht sagen, wer sein Chef ist, aber er gab den entscheidenden Hinweis darauf, wie die Sache genau funktioniert: Ich sollte mich für weitere Rückfragen an support@magicboxcasino.com wenden.

Das klang auf einmal ziemlich plausibel, weil die Software genau diesen Namen im Logo führt (und nicht etwa Euro VIP Casino, wie ich es erwartet hätte). Ruft man nun diese Domain im Browser auf, klärt sich alles mit einem Schlag auf.

Dort gibt es zwar auch den Download für die „Zugangssoftware“, aber die liegt auch direkt auf dem Server magiboxcasino.com (und nicht auf euclubcasino.net, wie bei den bespammten Seiten).

Der Clou ist nun, daß es dort einen Link auf ein Affiliate-System gibt.

Die Sache läuft so:

  1. Das Magic Box Casino führt die eigentlichen „Glückspiele“ durch, und stellt die dafür erforderliche Infrastruktur bereit. Diese „Firma“ macht auch das Inkasso der Spieleinsätze.
  2. Das Euro VIP Casino ist eine davon völlig losgelöste Fantasiefirma, welche eine eigene Form der „Zugangssoftware“ per Spam unter die Leute bringt.
  3. Die „Zugangssoftware“ vom Euro VIP Casino hat vermutlich eine interne Kennung, welche bei der Installation an das Magic Box Casino übermittelt wird.
  4. Dafür bekommt das Euro VIP Casino vom Magic Box Casino eine Provision. Ob sich diese Provision pro erfolgreicher Installation oder gar nach Umsatz der Spieler berechnet, kann ich nicht sagen.

Verstanden?

Das Magic Box Casino kann so immer behaupten, daß es mit der Spammerei nichts zu tun hat, obwohl sie davon natürlich massiv profitieren. Sie bezahlen die Bande um das Euro VIP Casino dafür, daß die diese Drecksarbeit übernehmen.

Mir ist es übrigens nicht verständlich, wie jemand auf die Idee kommen kann, daß man bei einem Online-Kasino eine effektive Chance auf einen Gewinn hätte. Da wird nix kontrolliert, die Software könnte manipuliert sein, die Betreiber bleiben unerkannt, und das Ganze riecht schwer nach organisierter Kriminalität.

Wahrscheinlich spielen dort genau die Leute mit, die sich gepresste Hühnerscheiße als Viagra andrehen lassen.

Nachtrag 09.08.2009: Eine schöne Screenshot-Sammlung der immer gleichen Layouts findet sich hier.

PrivilegeClub

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Spam, aktuell — eine ganz private Statistik

Verfasst von princo am 06.08.2009

Ich habe mich nach langer Zeit mal wieder dem Inhalt meines Spam-Ordners gewidmet. Den schau ich zwar regelmäßig nach fehlgeleiteten Mails durch, aber der restliche Inhalt interessiert mich normalerweise weniger.

Das ist allerdings ein ziemlicher Fehler, wie ich feststellen mußte, denn in den letzten Jahren hat sich auf diesem Gebiet ziemlich viel getan.

Für die Analyse des Spams habe ich auf das wirklich exzellente Programm popfile zurückgegriffen, welches (nicht nur) für diese Zwecke ideal geeignet ist (irgendwann muß ich mal einen eigenen Artikel darüber schreiben).

Das Programm wurde daher von mir so trainiert, daß es zwischen deutsch- und fremdsprachigen Mails unterscheidet, und diese dann in einige weitere Unterkategorien aufteilt. Das hört sich komplizierter an, als es ist, denn dafür mußte ich nur ein paar IMAP-Unterordner anlegen, und eingehende Mails in die richtigen Kategorien verschieben. Bereits nach ca. 11 Mails hatte das Progamm eine Trefferquote von über 60%, welche danach steil anstieg. Nach drei Tagen hat das System jetzt eine Quote von annähernd 100%.

Wohlgemerkt: Es geht hierbei nicht etwa darum, daß das Programm nur eine Unterscheidung zwischen „guter Mail“ und Spam trifft, sondern daß das Programm die Mails in (derzeit) zehn verschiedene selbst gewählte Kategorien korrekt einsortiert, und zwar ohne den Einsatz von händisch erstellten Filterregeln oder gar externen Blocklisten.

Die Ergebnisse haben mich wirklich überrascht. Waren früher deutschsprachige Spam-Mails eher selten, so machen sie mittlerweile ca. 1/4 des gesamten persönlichen Spamaufkommens aus:

20090805 Spamauswertung Sprachen

Es zeigte sich, daß es ein sinnvoller Ansatz ist, diesen Spam getrennt voneinander zu betrachten. „fremdsprachiger Spam“ bedeutet übrigens, daß es sich um Mail in englischer Sprache handelt. Ich haben außer Englisch und Deutsch keine weiteren Sprachen im Spam vorgefunden (die analysierten Mailadressen gehören zu einer .de Domain).

Auswertung des fremdsprachigen Spams:

20090805 Spamauswertung fremd

Spam-Mails in englischer Sprache kann ich in folgende Kategorien einteilen:

  • Diplome: Hier wird mir der Erwerb von diversen Universitätsabschlüssen angeboten.
  • Pillen: Viagra und Konsorten. Obwohl diese Mails den Großteil des englischsprachigen Spams ausmachen (ca. 80%!!!), wird man immer auf eine gleichartig getaltete Webseite weitergeleitet. Würde man nur dieses Angebot stilllegen, so würde das weltweite Spamproblem mit einem Schlag eliminieren.
  • Yahoo-Groups: Das sind Mails, in denen ein Link auf groups.yahoo.com/… enthalten ist. Folgt man diesem Link, dann wird man auf einen weiteren Link weitergeleitet, der einem entweder Acai Berrys (ein nutzloses Schlankheitsmittel), geklaute Software, oder gefälschte Uhren (Replicas) andrehen möchte. Interessant ist hier der Vergleich mit den entsprechenden deutschsprachigen Mails (weiter unten).

Schaut man sich dagegen den deutschsprachigen Spam an, so ergibt sich ein völlig anderes Bild:

20090805 Spamauswertung deutsch

  • Pillen: 1/3 des deutschsprachigen Spam geht auf das Konto der dubiosen Firma „Swisspotenz“ oder auch „Potenzmittel-Online“ , die ihre nutzlosen und gefährlichen Medikamente, die schwerste Gesundheitstörungen hervorrufen können, per Spam bewirbt. Ich grüße an dieser Stelle die rattenscharfen angeblichen „Wissenschaftlerinnen“ Prof. Michelle Metzler, Dr. Prof. Tanja Hissberger, Prof. Sabrina Grede, Dr. Petra Bremert, Prof. Uta Herbert, Prof. Steffanie Bossack, Dr. Prof. Sabrina Hofman und all die anderen Mädels, welche mich so intensiv mit Spam zuballern. Zeigt lieber eure Titten, dann haben alle was davon.
  • Yahoo-Groups: Es gibt hier die gleiche Situation, wie in der fremdsprachigen Kategorie, alle Links zeigen auf den gleichen Anbieter. Warum das so ist, werde ich in einem weiteren Artikel erläutern. Allerdings werden hier die Mails etwas ausführlicher verfasst.
  • Lolita-A: Diese Kollegen sind die Einzigen, welche für eine Pornoseite spammen. Die Mails kommen angeblich von Absenderinnen, deren Name mit A beginnt (wie Abigail, Adey, Adrianne, Alfi und Alika)
  • Euro VIP Casino: Diese Kategorie ist mal ein ganz besonderes Bonbon. Ungefähr 1/3 des deutschsprachigen Spams entfallen alleine auf diese Klassifizierung. Das war Grund genug für mich, hier mal etwas genauer hinzuschauen. Das Ergebnis ist so bemerkenswert, daß ich es in einem eigenen Artikel abhandeln werde.

Zwischenspiel:

Ich kann nur schwer beurteilen, inwiefern meine Ergebnisse repräsentativ sind. Die von mir beobachteten Mailadressen sind aber schon viele Jahre in den Händen diverser Adresshändler (dank eines Providerlecks), und daher kann ich schon von einer gewissen Relevanz der Ergebnisse ausgehen.

Was mir bei der Betrachtung aufgefallen ist: Ich habe weder eine Porno-Mail für Adult-Angebote (bis auf die Kategorie Lolita-A), noch eine Mail mit Aktienwerbung (Stock-Spam) erhalten. Diese Werbung scheint bis auf eine Ausnahme von der Bildfläche verschwunden zu sein, obwohl sie vor einigen Jahren noch den Löwenanteil des Spams ausgemacht hat.

Wenn ich meine eigenen Daten richtig interpretiere, dann hat in den letzten Jahren eine extreme Kannibalisierung bei den Spamversendern stattgefunden. Ich bekomme immer mehr Spam von immer weniger Leuten.

Das kann verschiedene Ursachen haben. So ist es gar nicht abwegig, wenn man unterstellt daß sich evtl.  eine große Anzahl von Spamversendern mittlerweile anderen Tätigkeitsfeldern zugewandt hat, weil Mail-Spam nicht mehr wirklich lukrativ ist. Am Spamaufkommen insgesamt ändert das leider nichts, weil die verbleibenden „Anbieter“ einfach in die Bresche springen.

KEINE der erhaltenen Spammails war rechtlich einwandfrei. JEDE dieser Mails hatte betrügerische Absichten als Hintergrund. In keinem einzigen Fall gab es so etwas wie eine Anbieterkennzeichnung, oder einen realen Verantwortlichen.

Die MEISTEN Spam-Mails haben Hinweise auf organisierten Kriminalität. Es geht um gefälschte Medikamente, gefälschte Uhren, und betrügerisches Glücksspiel. Diese Dinge werden tatsächlich im ganz großen Stil betrieben und erzeugen wirtschaftlichen Schaden in (geschätzter) Milliardenhöhe. Einige Wenige machen damit den großen Reibach, und lachen sich dabei eins ins Fäustchen.

Aber warum ist das so?

Fazit:.

Die Ergebnisse meiner kleinen Analyse zeigen mir eindeutig, daß Spam eine hochorganisierte Angelegenheit ist, und nur von relativ wenigen Leuten ausgeht.

Während ein immenser Aufwand getrieben wird, um eine angebliche Terrorgefahr einzudämmen, und dafür Mittel wie Vorratsdatenspeicherung, Kontoüberwachung und vieles weitere mehr geschaffen wurden, welche die Bürgerrechte massiv einschränken, bleiben diese Verbrechen, welche tatsächlich einen hohen wirtschaftlichen Schaden anrichten, einfach unbeachtet. Dabei wären die Hintermänner leicht zu ermitteln, wenn man der Regel „follow the money“ folgen würde.

Wird das ergaunerte Geld nur für Koks und Nutten ausgegeben, oder werden damit vielleicht doch Politiker bestochen, damit das lukrative Geschäft nicht gestört wird?

Oder werden damit Waffen gekauft und Terrorgruppen unterstützt? Es scheint zumindest eine sehr risikoarme Möglichkeit darzustellen, um schnell viel Geld in dunkle Kanäle zu leiten.

Fragen über Fragen.

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Google ist MEIN Freund

Verfasst von princo am 06.08.2009

itv electronics - Google-Suche

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Warnung vor itv-electronics.com

Verfasst von princo am 05.08.2009

Gerade ist hier eine Spam-Mail eingetrudelt, welche an Rafinesse schwer zu überbieten ist:

Sehr geehrter Empfaenger,

ITV Electronics, die fuehrende asiatische Firma im Gebiet der Informationstechnologien, erklaert wieder ueber die Einstellung der Arbeiter in Deutschland. Wir geben Ihnen noch eine Chance, mit uns zu arbeiten und ein Nebeneinkommen zu haben.

Wir suchen ehrliche, verantwortungsvolle und arbeitsame Leute im Alter von 21 bis 67 Jahre alt fuer die Vertretung unserer Firma an Ihrem Wohnort. Fuer die Optimisierung der Arbeit von unserer Firma in Deutschland und fuer unsere Businessentwicklung brauchen wir Leute, die fuer die Arbeit 2-3 Stunden pro Tag haben. Das ist eine Moeglichkeit, von Zuhause zu arbeiten und 300-500 Euro pro Woche zu verdienen. …

Erstaunlich, daß Google diese fuehrende asiatische Firma gar nicht kennt. Genauso erstaunlich ist, daß diese Firma per PrivacyProtection registriert ist. Da will mal wieder jemand nicht gefunden werden. Für eine seriöse Firma spricht das nicht.

Auf der, ausgesprochen professionell aufgemachten, Webseite gibt es dann auch einen Link nach „Careers“. Dort findet sich dann ein Stellenanbegot ganz besonderer Art (ich zitiere nur den relevanten Ausschnitt):

2. Wir geben unserem Kunden Ihre Kontaktdaten und er überweist Geldmittel direkt auf Ihr Bankkonto. Sie teilen uns mit, dass die Geldmittel eingegangen sind.
3. An diesem oder nächstem Tag erlassen wir die Absendung der Produktion für unseren Kunden.
4. Sie bekommen die Anweisungen, wie Sie diese Geldmittel auf unser Bankkonto überweisen oder wie Sie es auf anderer Weise machen werden.

Hier werden Hehler gesucht! Finger weg, sonst habt ihr in kürzester Zeit die Polizei im Haus und seid wegen Geldwäsche dran.

Wie das genau funktioniert, wird hier sehr ausführlich erklärt.

Das perfide an der Masche ist, daß die Seite ansonsten wirklich sehr seriös aussieht. Das haben die Betrüger natürlich nicht selber gemacht. Die haben einfach die Webseite einer seriösen Firma geklaut und umgearbeitet.

Das Original befindet sich nämlich hier.

Nachtrag (06.08.09, 14:23 Uhr): Wie ich eben erfahren habe, wurde die Seite itv-electronics vom Hoster Domain-Registrar wg. „fraudulent activities“ abgeschaltet. Das ging ja ziemlich schnell, und damit ist auch die komplette Spamaktion voll gegen die Wand gefahren.

Das Einzige, was man noch schneller abgeschaltet bekommt, sind übrigens Seiten mit kinderpornographischen Material. Es sei denn, daß sich das BKA und Frau von der Leyen darum kümmert.

Dann wird nämlich nur ein Stoppschild davor geschaltet werden, und die Inhalte bleiben im Netz. Damit ist es übrigens auch strafbar, sich um die Entfernung dieses widerlichen Materials zu bemühen. Das sei hier nur mal angemerkt.

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