Haben Sie gerade einen Anruf erhalten, und hat man Ihnen darin versprochen, daß Sie künftig ganz leicht von unerwünschter Werbung verschont werden können?
Hat man Ihnen dabei die Internetseite „gemeinschaftmachtstark.de“ gezeigt, um Sie von der Seriosität des Anbieters zu überzeugen?
Nun, jetzt sind Sie hier gelandet, und das ist vielleicht auch ganz gut so. Es kann nämlich sein, daß Sie jetzt eine ganze Menge Geld sparen können.
Diese „Gemeinschaft“ ist nämlich nicht so ganz unbekannt. Vor ein paar Monaten nannte sie sich allerdings noch „Schutzgemeinschaft gegen Werbung„, und hat genau das gleiche Konzept betrieben:
Gegen einen geringen monatlichen Betrag i.H.v. 3,99 € (zzgl. einer einmaligen „Bearbeitungsgebühr“ von 29,95 €) soll man angeblich in Zukunft von unerwünschter Werbung verschont werden.
Klingt das nicht toll?
Bestimmt klang das, was man Ihnen gerade am Telefon erzählt hat sehr verlockend: Endlich Ruhe von Werbeanrufen und nie wieder verstopfte Briefkästen.
Aber überlegen Sie mal: Hatten Sie um diesen Anruf überhaupt gebeten?
Eigentlich ist die Rechtslage ja so, daß jegliches Cold-Calling (so nennt man unerwünschte Anrufe) verboten sind.
Und wenn etwas sowieso verboten ist, dann braucht es keine seltsame Vereinigung wie „gemeinschaftmachtstark“ um dagegen vorzugehen, für so etwas gibt es nämlich schon die Verbraucherzentralen. Die arbeiten übrigens kostenlos für Sie.
Aber was hat es denn überhaupt mit „gemeinschaftmachtstark.de“ auf sich?
Tja, die dort hinterlegte Webseite gibt sich ziemlich sehr wortkarg: Im Bereich „Kontakt“ wird nur die Postfachadresse PF 200412, 13514 Berlin und die (nicht besonders günstigen) Telefon- und Faxnummern 01805 – 3555178 und 01805 – 3555179 angegeben. Wer das tolle „Angebot“ eigentlich betreibt wird nicht erwähnt.
Wer steckt dahinter?
Dafür muß man schon die offizielle Verwaltung der deutschen Internetadressen (die DENIC) bemühen. Da kann man eine Domainabfrage machen, und den Eigentümer des Webangebots ermitteln.
Gibt man dort im Suchfeld „gemeinschaftmachtstark“, oder auch den Vorgänger „schutzgemeinschaftgegenwerbung“ (das .de weglassen!) ein, so erfährt man, daß diese Webangebote auf einen Herrn Sandy Trense aus der schönen Stadt Rathenow registriert sind.
Das müßte er zwar selbst auf seine Webseite schreiben (und nicht nur das), aber möglicherweise hat er das einfach vergessen.
Aber man bekommt nicht nur den Namen, sondern auch eine Adresse. Trägt man diese Adresse rein interessehalber in einem Dienst wie z.B. Google-Maps ein, dann sieht man nicht nur, wo dieser Herr wohnt (was vergleichsweise uninteressant ist), sondern auch, welche Firmen sonst noch unter dieser Adresse logieren.
Dort gibt es z.B. noch die Firma „Global Connective Limited“. Auch über diese Firma gibt es im Internet kaum Informationen, man erfährt nur, daß diese Firma etwas mit Telekommunikation zu tun hat.
Etwas auskunftsfreudiger gibt sich da das Handelsregister. Stöbert man dort nach der Firma „Global Connective Limited“, so erhält man folgende Angaben:
Amtsgericht Potsdam Aktenzeichen: HRB 21361 P Bekannt gemacht am: 12.08.2008 22:00 Uhr
Für die Angaben in ().
die den Unternehmensgegenstand und die Anschrift betreffen, keine Gewähr. In das Handelsregister ist folgendes eingetragen worden:Neueintragungen
06.08.2008
Global Connective Limited, Rathenow(Waldemar Str. 13, 14712 Rathenow). Zweigniederlassung der unter der Firma Global Connective Limited in Reading, Berkshire, Großbritannien bestehenden Hauptniederlassung (eingetragen im Companies House, Cardiff unter der Registernummer 06628723). Gegenstand: Der Vertrieb von Telekommunikationsdienstleistungen. Stammkapital: 1 EUR. Vertretungsregelung: Ist ein Director bestellt, so vertritt er die Gesellschaft allein. Sind mehrere Directors bestellt, wird die Gesellschaft durch diese Directors gemeinschaftlich vertreten. Director: Trense, Sandy, *14.01.1970, Rathenow; mit der Befugnis die Gesellschaft allein zu vertreten. Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Gesellschaftsvertrag vom 24.06.2008.
Es steht zwar nicht ausdrücklich da, aber Call-Center verkaufen auch solche „Telekommunikationsdienstleistungen“. Es handelt sich also womöglich um ein Callcenter.
Ist das nicht interessant?: Der „Director“ einer englischen Firma mit einem Stammkapital von einem Euro, welche womöglich ein Callcenter ist (also eine Firma die Leute anruft), betreibt im Internet Seiten, auf denen versprochen wird, daß man sie vor Firmen schützt, die Leute anrufen.
Krass, oder?
Lohnt sich der Scheiß überhaupt?
Ja, für den Betreiber eines solchen Angebotes lohnt sich das ganz bestimmt. Machen wir einfach mal eine Beispielrechnung auf:
Angenommen, jemand ruft ein paar Leute an (sagen wir mal ca. eintausend, was für ein Callcenter wirklich nicht viel ist), dann ergibt sich folgende Rechnung:
1.000 x 39,95 € = 39.950,00 € (Bearbeitungsgebühr)
dazu kommt (pro Jahr):
1.000 x 3,99 € x 12 Monate = 47.880,00 € / Jahr
Und jetzt rechnen Sie sich mal aus, wenn da nur 10.000 Leute darauf reinfallen würden.
Natürlich geht davon noch ein riesiger Anteil an Steuern ab (ich gehe mal davon aus, daß das schöne Geld auch ordentlich versteuert wird, es sei denn es handelt sich um einen eingetragenen gemeinnützigen Verein, was zwar naheliegend wäre, aber nirgendwo erwähnt wird), dann bleibt immer noch ein schönes Sümmchen für Herrn Trense übrig.
Für eine Leistung(?), für welche Sie keinerlei Garantien erhalten, und die Sie bei den Verbraucherzentralen umsonst haben können…
Wie werden Sie sich entscheiden?
Ich glaube, daß Sie für Ihr Geld eine bessere Verwendung haben, als es Herrn Trense in den Hintern zu schieben.
Zum Schluß noch eine kleine Nachricht für Sandy Trense persönlich:
Kollege, du hast den Warnschuß damals nicht ernstgenommen. Du solltest dir ganz scharf überlegen, ob du mit dieser armseligen Nummer weitermachen willst. Das könnte richtig Ärger für dich bedeuten.
Und im Übrigen: Du kannst mich mal. Dir wird dieser Artikel sicher nicht gefallen, und womöglich wirst du auf die Idee kommen dagegen vorzugehen. Für diesen Fall bekommst du gleich folgende Ansage: Sollte ich mich mit meinen obigen Aussagen im Irrtum befinden, und du bist doch kein fauler Abzocker, der die Leute ausnimmt, dann werde ich diesen Artikel sofort löschen. Allerdings müsstest du dazu (gerichtsfest!) nachweisen, daß meine Aussagen nicht zutreffen.
Aber so dumm wie ich sie einschätze, werden Sie das aktuelle Ineternetangebot „gemeinschafmachtstark.de“ dichtmachen, und einfach mit einer anderen Webadresse weitermachen.
Und irgendjemand wird mir wieder stecken, wie die neue Internet-Adrese lautet, mit der Sie dann die gleiche Nummer erneut abziehen werden.
Viel Spaß dabei. Wir könnnen das gerne ein paar Runden lang spielen.
Meinen Sie, daß Sie eine Chance haben das letztendlich zu gewinnen? Das wird richtig böse enden.
Es ist übrigens keine Schande, sich sein Geld auf ehrliche Weise zu verdienen. Aldi sucht immer wieder Leute, die die Regale auffüllen.
Wie wär’s?
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