Die Memoiren des Josh K. Phisher

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Mit ‘Betrug’ verschlagwortete Einträge

Zu Besuch im Euro VIP Casino

Verfasst von princo am 08.08.2009

In meiner kleinen Spam-Analyse hatte ich ja angekündigt, daß ich mir dieses seltsame Euro VIP Casino näher anschauen werde.

Dieses seltsame Casino wird ganz extrem per Spam beworben, und macht bei mir mehr als ein Drittel des deutschsprachigen Spams aus.

Sehr auffällig dabei ist, daß die beworbenen Webseiten ständig (im Prinzip mindestens täglich) wechseln.

Da wären zum Beispiel:

  • casinoclubwonderful.net
  • globalrainbowcasino.net
  • galaxygreatgame.net
  • globalcasinolife.net
  • playcasinoglobal.net
  • vegaskingcasino.net
  • casinolinelife.net
  • playlinecasino.net
  • wonderfulcasinoclub.net
  • casinoclubwonderful.net
  • casinolinevegas.net
  • linestarcasino.net
  • casinolinesilver.net
  • casinovivaglobal.net
  • globalopencasino.net
  • linecasinogreat.net
  • citygreatgame.net
  • casinowonderfulstar.net
  • usw.

Viele Leute wundern sich, wie das Ganze funktioniert. Warum werden Seiten beworben, die am nächsten Tag bereits abgeschaltet sein können? Damit stehen die Leute doch gleich wieder vor verschlossenen Türen. Wie kann man so Geld verdienen?

Die Lösung dafür ist dreigeteilt und ganz simpel:

1. Die genannten Domains sind reine Wegwerf-Webseiten. Die brauchen gar nicht lange existieren, denn es geht dort nur darum, die Opfer dazu zu bringen eine „Zugangssoftware“ zu installieren. Wenn die erstmal installiert ist, dann läuft jegliche weitere Kommunikation nur noch darüber. Die ursprüngliche Seite wird nicht mehr benötigt. Man kann sich dort auch gar nicht „einloggen“ oder ähnliche Dinge tun. Natürlich gibt es auf diesen Seiten auch keinen Hinweis auf den Anbieter, aber dazu später mehr.

2. Auf den Webseiten werden die Inhalte grundsätzlich von einem ganz anderen Server per iFrame eingebunden. Derzeit ist das der Server von „euclubcasino.net“. Dort liegt auch die „Zugangssoftware“, welche man herunterladen soll. Damit will man vermeiden, daß „euclubcasino.net“ in irgendwelchen Sperrlisten landet. Die bespammten Domains können dadurch gefahrlos verbrannt werden. Die müssen nur während der eigentlichen Spamaktion zur Verfügung stehen.

Ich habe mal einen kleinen Screencast erstellt, um zu zeigen, wie das mit der Software funktioniert.

Leider kann ich diesen Screencast nicht direkt auf der Seite einbinden, daher wird  ein extra Fenster geöffnet. Es ist ratsam, sich das Video im Vollbildmodus anzusehen.

Link zum Screencast

Hierbei kommt es mir besonders auf die Demonstration an, wie die diversen „Geschäftsbedingungen“ verpackt werden. Die sind entweder gigantisch umfangreich, oder schlichtweg nicht vorhanden.

Ich habe im Video die eigentliche Anmeldung nicht vorgenommen, habe dies in der Vorbereitung allerdings getan. Dafür habe ich natürlich Fantasiedaten verwendet, weil ich sehen wollte, wie das dort weiter geht. Besonders die Zahlungsmöglichkeiten haben mich besonders interessiert. Einen direkten Hinweis auf den Anbieter habe ich dort übrigens nicht finden können. Dies klärte sich aber recht schnell und auf eine kuriose Weise auf.

Der unerwartete Chat:
Ich klickte also etwas in dieser „Software“ herum, als sich plötzlich und unverlangt eine Art Chatfenster öffnete:

Chat01

Chat02

Chat03

Anscheinend werden dort die Anmeldedaten von einem Humanoiden überwacht, der sich dann recht schnell einschaltet. Sauber.

Lustigerweise konnte er mir nicht sagen, wer sein Chef ist, aber er gab den entscheidenden Hinweis darauf, wie die Sache genau funktioniert: Ich sollte mich für weitere Rückfragen an support@magicboxcasino.com wenden.

Das klang auf einmal ziemlich plausibel, weil die Software genau diesen Namen im Logo führt (und nicht etwa Euro VIP Casino, wie ich es erwartet hätte). Ruft man nun diese Domain im Browser auf, klärt sich alles mit einem Schlag auf.

Dort gibt es zwar auch den Download für die „Zugangssoftware“, aber die liegt auch direkt auf dem Server magiboxcasino.com (und nicht auf euclubcasino.net, wie bei den bespammten Seiten).

Der Clou ist nun, daß es dort einen Link auf ein Affiliate-System gibt.

Die Sache läuft so:

  1. Das Magic Box Casino führt die eigentlichen „Glückspiele“ durch, und stellt die dafür erforderliche Infrastruktur bereit. Diese „Firma“ macht auch das Inkasso der Spieleinsätze.
  2. Das Euro VIP Casino ist eine davon völlig losgelöste Fantasiefirma, welche eine eigene Form der „Zugangssoftware“ per Spam unter die Leute bringt.
  3. Die „Zugangssoftware“ vom Euro VIP Casino hat vermutlich eine interne Kennung, welche bei der Installation an das Magic Box Casino übermittelt wird.
  4. Dafür bekommt das Euro VIP Casino vom Magic Box Casino eine Provision. Ob sich diese Provision pro erfolgreicher Installation oder gar nach Umsatz der Spieler berechnet, kann ich nicht sagen.

Verstanden?

Das Magic Box Casino kann so immer behaupten, daß es mit der Spammerei nichts zu tun hat, obwohl sie davon natürlich massiv profitieren. Sie bezahlen die Bande um das Euro VIP Casino dafür, daß die diese Drecksarbeit übernehmen.

Mir ist es übrigens nicht verständlich, wie jemand auf die Idee kommen kann, daß man bei einem Online-Kasino eine effektive Chance auf einen Gewinn hätte. Da wird nix kontrolliert, die Software könnte manipuliert sein, die Betreiber bleiben unerkannt, und das Ganze riecht schwer nach organisierter Kriminalität.

Wahrscheinlich spielen dort genau die Leute mit, die sich gepresste Hühnerscheiße als Viagra andrehen lassen.

Nachtrag 09.08.2009: Eine schöne Screenshot-Sammlung der immer gleichen Layouts findet sich hier.

PrivilegeClub

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Spam, aktuell — eine ganz private Statistik

Verfasst von princo am 06.08.2009

Ich habe mich nach langer Zeit mal wieder dem Inhalt meines Spam-Ordners gewidmet. Den schau ich zwar regelmäßig nach fehlgeleiteten Mails durch, aber der restliche Inhalt interessiert mich normalerweise weniger.

Das ist allerdings ein ziemlicher Fehler, wie ich feststellen mußte, denn in den letzten Jahren hat sich auf diesem Gebiet ziemlich viel getan.

Für die Analyse des Spams habe ich auf das wirklich exzellente Programm popfile zurückgegriffen, welches (nicht nur) für diese Zwecke ideal geeignet ist (irgendwann muß ich mal einen eigenen Artikel darüber schreiben).

Das Programm wurde daher von mir so trainiert, daß es zwischen deutsch- und fremdsprachigen Mails unterscheidet, und diese dann in einige weitere Unterkategorien aufteilt. Das hört sich komplizierter an, als es ist, denn dafür mußte ich nur ein paar IMAP-Unterordner anlegen, und eingehende Mails in die richtigen Kategorien verschieben. Bereits nach ca. 11 Mails hatte das Progamm eine Trefferquote von über 60%, welche danach steil anstieg. Nach drei Tagen hat das System jetzt eine Quote von annähernd 100%.

Wohlgemerkt: Es geht hierbei nicht etwa darum, daß das Programm nur eine Unterscheidung zwischen „guter Mail“ und Spam trifft, sondern daß das Programm die Mails in (derzeit) zehn verschiedene selbst gewählte Kategorien korrekt einsortiert, und zwar ohne den Einsatz von händisch erstellten Filterregeln oder gar externen Blocklisten.

Die Ergebnisse haben mich wirklich überrascht. Waren früher deutschsprachige Spam-Mails eher selten, so machen sie mittlerweile ca. 1/4 des gesamten persönlichen Spamaufkommens aus:

20090805 Spamauswertung Sprachen

Es zeigte sich, daß es ein sinnvoller Ansatz ist, diesen Spam getrennt voneinander zu betrachten. „fremdsprachiger Spam“ bedeutet übrigens, daß es sich um Mail in englischer Sprache handelt. Ich haben außer Englisch und Deutsch keine weiteren Sprachen im Spam vorgefunden (die analysierten Mailadressen gehören zu einer .de Domain).

Auswertung des fremdsprachigen Spams:

20090805 Spamauswertung fremd

Spam-Mails in englischer Sprache kann ich in folgende Kategorien einteilen:

  • Diplome: Hier wird mir der Erwerb von diversen Universitätsabschlüssen angeboten.
  • Pillen: Viagra und Konsorten. Obwohl diese Mails den Großteil des englischsprachigen Spams ausmachen (ca. 80%!!!), wird man immer auf eine gleichartig getaltete Webseite weitergeleitet. Würde man nur dieses Angebot stilllegen, so würde das weltweite Spamproblem mit einem Schlag eliminieren.
  • Yahoo-Groups: Das sind Mails, in denen ein Link auf groups.yahoo.com/… enthalten ist. Folgt man diesem Link, dann wird man auf einen weiteren Link weitergeleitet, der einem entweder Acai Berrys (ein nutzloses Schlankheitsmittel), geklaute Software, oder gefälschte Uhren (Replicas) andrehen möchte. Interessant ist hier der Vergleich mit den entsprechenden deutschsprachigen Mails (weiter unten).

Schaut man sich dagegen den deutschsprachigen Spam an, so ergibt sich ein völlig anderes Bild:

20090805 Spamauswertung deutsch

  • Pillen: 1/3 des deutschsprachigen Spam geht auf das Konto der dubiosen Firma „Swisspotenz“ oder auch „Potenzmittel-Online“ , die ihre nutzlosen und gefährlichen Medikamente, die schwerste Gesundheitstörungen hervorrufen können, per Spam bewirbt. Ich grüße an dieser Stelle die rattenscharfen angeblichen „Wissenschaftlerinnen“ Prof. Michelle Metzler, Dr. Prof. Tanja Hissberger, Prof. Sabrina Grede, Dr. Petra Bremert, Prof. Uta Herbert, Prof. Steffanie Bossack, Dr. Prof. Sabrina Hofman und all die anderen Mädels, welche mich so intensiv mit Spam zuballern. Zeigt lieber eure Titten, dann haben alle was davon.
  • Yahoo-Groups: Es gibt hier die gleiche Situation, wie in der fremdsprachigen Kategorie, alle Links zeigen auf den gleichen Anbieter. Warum das so ist, werde ich in einem weiteren Artikel erläutern. Allerdings werden hier die Mails etwas ausführlicher verfasst.
  • Lolita-A: Diese Kollegen sind die Einzigen, welche für eine Pornoseite spammen. Die Mails kommen angeblich von Absenderinnen, deren Name mit A beginnt (wie Abigail, Adey, Adrianne, Alfi und Alika)
  • Euro VIP Casino: Diese Kategorie ist mal ein ganz besonderes Bonbon. Ungefähr 1/3 des deutschsprachigen Spams entfallen alleine auf diese Klassifizierung. Das war Grund genug für mich, hier mal etwas genauer hinzuschauen. Das Ergebnis ist so bemerkenswert, daß ich es in einem eigenen Artikel abhandeln werde.

Zwischenspiel:

Ich kann nur schwer beurteilen, inwiefern meine Ergebnisse repräsentativ sind. Die von mir beobachteten Mailadressen sind aber schon viele Jahre in den Händen diverser Adresshändler (dank eines Providerlecks), und daher kann ich schon von einer gewissen Relevanz der Ergebnisse ausgehen.

Was mir bei der Betrachtung aufgefallen ist: Ich habe weder eine Porno-Mail für Adult-Angebote (bis auf die Kategorie Lolita-A), noch eine Mail mit Aktienwerbung (Stock-Spam) erhalten. Diese Werbung scheint bis auf eine Ausnahme von der Bildfläche verschwunden zu sein, obwohl sie vor einigen Jahren noch den Löwenanteil des Spams ausgemacht hat.

Wenn ich meine eigenen Daten richtig interpretiere, dann hat in den letzten Jahren eine extreme Kannibalisierung bei den Spamversendern stattgefunden. Ich bekomme immer mehr Spam von immer weniger Leuten.

Das kann verschiedene Ursachen haben. So ist es gar nicht abwegig, wenn man unterstellt daß sich evtl.  eine große Anzahl von Spamversendern mittlerweile anderen Tätigkeitsfeldern zugewandt hat, weil Mail-Spam nicht mehr wirklich lukrativ ist. Am Spamaufkommen insgesamt ändert das leider nichts, weil die verbleibenden „Anbieter“ einfach in die Bresche springen.

KEINE der erhaltenen Spammails war rechtlich einwandfrei. JEDE dieser Mails hatte betrügerische Absichten als Hintergrund. In keinem einzigen Fall gab es so etwas wie eine Anbieterkennzeichnung, oder einen realen Verantwortlichen.

Die MEISTEN Spam-Mails haben Hinweise auf organisierten Kriminalität. Es geht um gefälschte Medikamente, gefälschte Uhren, und betrügerisches Glücksspiel. Diese Dinge werden tatsächlich im ganz großen Stil betrieben und erzeugen wirtschaftlichen Schaden in (geschätzter) Milliardenhöhe. Einige Wenige machen damit den großen Reibach, und lachen sich dabei eins ins Fäustchen.

Aber warum ist das so?

Fazit:.

Die Ergebnisse meiner kleinen Analyse zeigen mir eindeutig, daß Spam eine hochorganisierte Angelegenheit ist, und nur von relativ wenigen Leuten ausgeht.

Während ein immenser Aufwand getrieben wird, um eine angebliche Terrorgefahr einzudämmen, und dafür Mittel wie Vorratsdatenspeicherung, Kontoüberwachung und vieles weitere mehr geschaffen wurden, welche die Bürgerrechte massiv einschränken, bleiben diese Verbrechen, welche tatsächlich einen hohen wirtschaftlichen Schaden anrichten, einfach unbeachtet. Dabei wären die Hintermänner leicht zu ermitteln, wenn man der Regel „follow the money“ folgen würde.

Wird das ergaunerte Geld nur für Koks und Nutten ausgegeben, oder werden damit vielleicht doch Politiker bestochen, damit das lukrative Geschäft nicht gestört wird?

Oder werden damit Waffen gekauft und Terrorgruppen unterstützt? Es scheint zumindest eine sehr risikoarme Möglichkeit darzustellen, um schnell viel Geld in dunkle Kanäle zu leiten.

Fragen über Fragen.

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Warnung vor itv-electronics.com

Verfasst von princo am 05.08.2009

Gerade ist hier eine Spam-Mail eingetrudelt, welche an Rafinesse schwer zu überbieten ist:

Sehr geehrter Empfaenger,

ITV Electronics, die fuehrende asiatische Firma im Gebiet der Informationstechnologien, erklaert wieder ueber die Einstellung der Arbeiter in Deutschland. Wir geben Ihnen noch eine Chance, mit uns zu arbeiten und ein Nebeneinkommen zu haben.

Wir suchen ehrliche, verantwortungsvolle und arbeitsame Leute im Alter von 21 bis 67 Jahre alt fuer die Vertretung unserer Firma an Ihrem Wohnort. Fuer die Optimisierung der Arbeit von unserer Firma in Deutschland und fuer unsere Businessentwicklung brauchen wir Leute, die fuer die Arbeit 2-3 Stunden pro Tag haben. Das ist eine Moeglichkeit, von Zuhause zu arbeiten und 300-500 Euro pro Woche zu verdienen. …

Erstaunlich, daß Google diese fuehrende asiatische Firma gar nicht kennt. Genauso erstaunlich ist, daß diese Firma per PrivacyProtection registriert ist. Da will mal wieder jemand nicht gefunden werden. Für eine seriöse Firma spricht das nicht.

Auf der, ausgesprochen professionell aufgemachten, Webseite gibt es dann auch einen Link nach „Careers“. Dort findet sich dann ein Stellenanbegot ganz besonderer Art (ich zitiere nur den relevanten Ausschnitt):

2. Wir geben unserem Kunden Ihre Kontaktdaten und er überweist Geldmittel direkt auf Ihr Bankkonto. Sie teilen uns mit, dass die Geldmittel eingegangen sind.
3. An diesem oder nächstem Tag erlassen wir die Absendung der Produktion für unseren Kunden.
4. Sie bekommen die Anweisungen, wie Sie diese Geldmittel auf unser Bankkonto überweisen oder wie Sie es auf anderer Weise machen werden.

Hier werden Hehler gesucht! Finger weg, sonst habt ihr in kürzester Zeit die Polizei im Haus und seid wegen Geldwäsche dran.

Wie das genau funktioniert, wird hier sehr ausführlich erklärt.

Das perfide an der Masche ist, daß die Seite ansonsten wirklich sehr seriös aussieht. Das haben die Betrüger natürlich nicht selber gemacht. Die haben einfach die Webseite einer seriösen Firma geklaut und umgearbeitet.

Das Original befindet sich nämlich hier.

Nachtrag (06.08.09, 14:23 Uhr): Wie ich eben erfahren habe, wurde die Seite itv-electronics vom Hoster Domain-Registrar wg. „fraudulent activities“ abgeschaltet. Das ging ja ziemlich schnell, und damit ist auch die komplette Spamaktion voll gegen die Wand gefahren.

Das Einzige, was man noch schneller abgeschaltet bekommt, sind übrigens Seiten mit kinderpornographischen Material. Es sei denn, daß sich das BKA und Frau von der Leyen darum kümmert.

Dann wird nämlich nur ein Stoppschild davor geschaltet werden, und die Inhalte bleiben im Netz. Damit ist es übrigens auch strafbar, sich um die Entfernung dieses widerlichen Materials zu bemühen. Das sei hier nur mal angemerkt.

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Vorsicht vor: www.gemeinschaftmachtstark.de

Verfasst von princo am 23.01.2009

Haben Sie gerade einen Anruf erhalten, und hat man Ihnen darin versprochen, daß Sie künftig ganz leicht von unerwünschter Werbung verschont werden können?

Hat man Ihnen dabei die Internetseite „gemeinschaftmachtstark.de“ gezeigt, um Sie von der Seriosität des Anbieters zu überzeugen?

Nun, jetzt sind Sie hier gelandet, und das ist vielleicht auch ganz gut so. Es kann nämlich sein, daß Sie jetzt eine ganze Menge Geld sparen können.

Diese „Gemeinschaft“ ist nämlich nicht so ganz unbekannt. Vor ein paar Monaten nannte sie sich allerdings noch „Schutzgemeinschaft gegen Werbung„, und hat genau das gleiche Konzept betrieben:

Gegen einen geringen monatlichen Betrag i.H.v. 3,99 € (zzgl. einer einmaligen „Bearbeitungsgebühr“ von 29,95 €) soll man angeblich in Zukunft von unerwünschter Werbung verschont werden.

Klingt das nicht toll?

Bestimmt klang das, was man Ihnen gerade am Telefon erzählt hat sehr verlockend: Endlich Ruhe von Werbeanrufen und nie wieder verstopfte Briefkästen.

Aber überlegen Sie mal: Hatten Sie um diesen Anruf überhaupt gebeten?

Eigentlich ist die Rechtslage ja so, daß jegliches Cold-Calling (so nennt man unerwünschte Anrufe) verboten sind.

Und wenn etwas sowieso verboten ist, dann braucht es keine seltsame Vereinigung wie „gemeinschaftmachtstark“ um dagegen vorzugehen, für so etwas gibt es nämlich schon die Verbraucherzentralen. Die arbeiten übrigens kostenlos für Sie.

Aber was hat es denn überhaupt mit „gemeinschaftmachtstark.de“ auf sich?

Tja, die dort hinterlegte Webseite gibt sich ziemlich sehr wortkarg: Im Bereich „Kontakt“ wird nur die Postfachadresse PF 200412, 13514 Berlin und die (nicht besonders günstigen) Telefon- und Faxnummern 01805 – 3555178 und 01805 – 3555179 angegeben. Wer das tolle „Angebot“ eigentlich betreibt wird nicht erwähnt.

Wer steckt dahinter?

Dafür muß man schon die offizielle Verwaltung der deutschen Internetadressen (die DENIC) bemühen. Da kann man eine Domainabfrage machen, und den Eigentümer des Webangebots ermitteln.

Gibt man dort im Suchfeld „gemeinschaftmachtstark“, oder auch den Vorgänger „schutzgemeinschaftgegenwerbung“ (das .de weglassen!) ein, so erfährt man, daß diese Webangebote auf einen Herrn Sandy Trense aus der schönen Stadt Rathenow registriert sind.

Das müßte er zwar selbst auf seine Webseite schreiben (und nicht nur das), aber möglicherweise hat er das einfach vergessen.

Aber man bekommt nicht nur den Namen, sondern auch eine Adresse. Trägt man diese Adresse rein interessehalber in einem Dienst wie z.B. Google-Maps ein, dann sieht man nicht nur, wo dieser Herr wohnt (was vergleichsweise uninteressant ist), sondern auch, welche Firmen sonst noch unter dieser Adresse logieren.

Dort gibt es z.B. noch die Firma „Global Connective Limited“. Auch über diese Firma gibt es im Internet kaum Informationen, man erfährt nur, daß diese Firma etwas mit Telekommunikation zu tun hat.

Etwas auskunftsfreudiger gibt sich da das Handelsregister. Stöbert man dort nach der Firma „Global Connective Limited“, so erhält man folgende Angaben:

Amtsgericht Potsdam Aktenzeichen: HRB 21361 P Bekannt gemacht am: 12.08.2008 22:00 Uhr

Für die Angaben in ().
die den Unternehmensgegenstand und die Anschrift betreffen, keine Gewähr. In das Handelsregister ist folgendes eingetragen worden:

Neueintragungen

06.08.2008

Global Connective Limited, Rathenow(Waldemar Str. 13, 14712 Rathenow). Zweigniederlassung der unter der Firma Global Connective Limited in Reading, Berkshire, Großbritannien bestehenden Hauptniederlassung (eingetragen im Companies House, Cardiff unter der Registernummer 06628723). Gegenstand: Der Vertrieb von Telekommunikationsdienstleistungen. Stammkapital: 1 EUR. Vertretungsregelung: Ist ein Director bestellt, so vertritt er die Gesellschaft allein. Sind mehrere Directors bestellt, wird die Gesellschaft durch diese Directors gemeinschaftlich vertreten. Director: Trense, Sandy, *14.01.1970, Rathenow; mit der Befugnis die Gesellschaft allein zu vertreten. Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Gesellschaftsvertrag vom 24.06.2008.

Es steht zwar nicht ausdrücklich da, aber Call-Center verkaufen auch solche „Telekommunikationsdienstleistungen“. Es handelt sich also womöglich um ein Callcenter.

Ist das nicht interessant?: Der „Director“ einer englischen Firma mit einem Stammkapital von einem Euro, welche womöglich ein Callcenter ist (also eine Firma die Leute anruft), betreibt im Internet Seiten, auf denen versprochen wird, daß man sie vor Firmen schützt, die Leute anrufen.

Krass, oder?

Lohnt sich der Scheiß überhaupt?

Ja, für den Betreiber eines solchen Angebotes lohnt sich das ganz bestimmt. Machen wir einfach mal eine Beispielrechnung auf:

Angenommen, jemand ruft ein paar Leute an (sagen wir mal ca. eintausend, was für ein Callcenter wirklich nicht viel ist), dann ergibt sich folgende Rechnung:

1.000 x 39,95 € = 39.950,00 € (Bearbeitungsgebühr)

dazu kommt (pro Jahr):

1.000 x 3,99 € x 12 Monate = 47.880,00 € / Jahr

Und jetzt rechnen Sie sich mal aus, wenn da nur 10.000 Leute darauf reinfallen würden.

Natürlich geht davon noch ein riesiger Anteil an Steuern ab (ich gehe mal davon aus, daß das schöne Geld auch ordentlich versteuert wird, es sei denn es handelt sich um einen eingetragenen gemeinnützigen Verein, was zwar naheliegend wäre, aber nirgendwo erwähnt wird), dann bleibt immer noch ein schönes Sümmchen für Herrn Trense übrig.

Für eine Leistung(?), für welche Sie keinerlei Garantien erhalten, und die Sie bei den Verbraucherzentralen umsonst haben können…

Wie werden Sie sich entscheiden?

Ich glaube, daß Sie für Ihr Geld eine bessere Verwendung haben, als es Herrn Trense in den Hintern zu schieben.

Zum Schluß noch eine kleine Nachricht für Sandy Trense persönlich:

Kollege, du hast den Warnschuß damals nicht ernstgenommen. Du solltest dir ganz scharf überlegen, ob du mit dieser armseligen Nummer weitermachen willst. Das könnte richtig Ärger für dich bedeuten.

Und im Übrigen: Du kannst mich mal. Dir wird dieser Artikel sicher nicht gefallen, und womöglich wirst du auf die Idee kommen dagegen vorzugehen. Für diesen Fall bekommst du gleich folgende Ansage: Sollte ich mich mit meinen obigen Aussagen im Irrtum befinden, und du bist doch kein fauler Abzocker, der die Leute ausnimmt, dann werde ich diesen Artikel sofort löschen. Allerdings müsstest du dazu (gerichtsfest!) nachweisen, daß meine Aussagen nicht zutreffen.

Aber so dumm wie ich sie einschätze, werden Sie das aktuelle Ineternetangebot „gemeinschafmachtstark.de“ dichtmachen, und einfach mit einer anderen Webadresse weitermachen.

Und irgendjemand wird mir wieder stecken, wie die neue Internet-Adrese lautet, mit der Sie dann die gleiche Nummer erneut abziehen werden.

Viel Spaß dabei. Wir könnnen das gerne ein paar Runden lang spielen.

Meinen Sie, daß Sie eine Chance haben das letztendlich zu gewinnen? Das wird richtig böse enden.

Es ist übrigens keine Schande, sich sein Geld auf ehrliche Weise zu verdienen. Aldi sucht immer wieder Leute, die die Regale auffüllen.

Wie wär’s?

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Schutzgemeinschaft gegen Werbung?

Verfasst von princo am 24.10.2008

Seit einigen Tagen beobachte ich, daß hier einige Besucher über die Suchbegriffe Schutzgemeinschaft gegen Werbung aufschlagen.

Seltsamerweise gibt es bisher anscheinend gar keine Internetseite, die direkt mit diesen Suchbegriffen verbunden ist. Kein Verein oder so, einfach nix.

Ich meine aber, mich erinnern zu können, davon gehört zu haben, daß einige Leute in der letzten Zeit ganz seltsame Anrufe bekommen haben, bei denen ihnen versprochen wurde, daß sie in Zukunft von unerwünschter Werbung aller Art verschont werden könnten. Dazu wäre es aber nötig, einen Betrag in Höhe von …. blablablubb.

Mein Tipp: Einfach auflegen.

Redet nicht mit diesen Leuten, das sind Betrüger.

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SKANDAL!: Doping jetzt auch bei der Tour de France

Verfasst von princo am 18.07.2008

Mein Beitrag zur blödesten Überschrift aller Zeiten.

Kein weiterer Text.

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Warnung: Schutzgemeinschaft gegen Abmahnung (SCHUMAB)

Verfasst von princo am 07.03.2008

In den letzten Tagen wird auf verschiedenen Wegen versucht, auf eine bestimmte Internetseite aufmerksam zu machen. Eine angebliche „Schutzgemeinschaft gegen Abmahnung (SCHUMAB)“ bietet Hilfe für Abmahnungsgeschädigte an. Die entsprechende Seite wird über Spamkommentare in renommierten Blogs (also auch hier :) ) und Foren beworben.

Die Kommentare werden immer zu Themen, welche sich mit Abmahnungen beschäftigen abgegeben. Schaut man sich die krampfhaft beworbene Webseite an, so entsteht zuerst auch durchaus der Eindruck, daß dabei um das Thema Abmahnung geht. Auf den zweiten Blick merkt man dann, daß es konkret 0 (Null) Information auf der Seite gibt, und man erst Geld per PayPal überweisen muß, damit man die ganzen tollen Links sehen darf.

Diese Links zeigen allerdings auf frei verfügbare Informationen. Warum man dafür Geld bezahlen soll, ist nicht ganz klar. Auch eine rechtliche Beratung gibt es nicht, angeblich sollen die angebotenen Links aber als Argumentationshilfen für den eigenen Rechtsanwalt dienen.

Die Zahlungen gehen übrigens an eine britische Limited. Es gibt keinen persönlichen Ansprechpartner, die Sache ist nicht nur äußerst obskur, sondern meiner Meinung nach, möglicherweise betrügerisch und kriminell geprägt.

Vor dieser „Schutzgemeinschaft gegen Abmahnung (SCHUMAB)“ kann nur gewarnt werden. Wenn jemand von einer Abmahnung betroffen ist, sollte er sich einen fähigen Rechtsanwalt suchen. Um einen Rechtsanwalt, der auf die supertollen Informationen der SCHUMAB angewiesen ist, sollte man übrigens tunlichst einen ganz großen Bogen machen.

We have Ketchup.
We do not forgive.
We do not forget.

Sollte jemand bereits auf die SCHUMAB hereingefallen sein, bitte ich um Meldung in den Kommentaren, oder über das Kontaktformular. Es liegen genügend Informationen vor, eigentlich fehlt nur noch ein Geschädigter um den Sack zu zu machen.

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