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Heise-Kommentar: Auswirkungen bis in den Kindergarten!

Posted by princo - 07.05.2006


Gestern habe ich einen Kommentar im Heise-Forum zum Artikel

Bundesjustizministerin wettert gegen E-Mail-Kampagne zur Urheberrechtsreform

geschrieben. Die positive Resonanz darauf treibt mich dazu, ihn auch hier zu veröffentlichen.

6. Mai 2006 4:33
Auswirkungen bis in den Kindergarten!
Josh K. Phisher (74 Beiträge seit 30.4.05)
Bewertung dieses Beitrags:
 

Einer gemeinsamen Pressekonfrenz der Bundesjustizministerin Frau
Brigitte Zypries und des Vertreters der Musikindustrie Hernn "Mousse
T" zufolge, stehen demnächst weitere, sehr weitreichende, Änderungen
des Urheberrechts unmittelbar bevor:

"Es kann nicht sein, daß Kinder denken, daß Musik und andere
künstlerische Werke einfach umsonst zu haben sind. Kinder müssen
lernen, daß Musikstücke einen Urheber haben, der für seine Leistung
angemessen bezahlt werden muß. Dieses Bewußtsein muß den Kindern
möglichst frühzeitig beigebracht werden", so die Ministerin weiter,
"die Erziehung sollte bereits im Kindergartenalter darauf
ausgerichtet werden".

Sie betont, daß "es Kindern sehr einfach zu vermitteln sei, daß das
Singen von "Es kommt ein BiBa-Butzmann" oder "Fuchs, du hast die Gans
gestohlen", eine angemessene Vergütung verlangt."

Kinder würden das gut verstehen, denn der Eismann bekommt ja
schließlich auch Geld für seine Leckereien.

Auf Einwände, daß es gerade bei Kinderliedern oft keinen wirklichen
Urheber gäbe, antwortet Frau Zypries: "Wissen Sie, irgendjemand wird
dieses Lied das erste Mal gesungen haben, dem steht einfach die
Vergütung zu. Basta!".

In Fällen, wo keine eindeutige Urheberschaft mehr festzustellen sein,
wäre zu überlegen, ob nicht die im Liedtext behandelten
Personengruppen davon direkt davon profitieren sollen. Sie führt
dafür einige Beispiele an:

– "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach" -> Müller-Milch
– "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" -> Jägermeister
– "Guten Abend, gute Nacht" -> Dänisches Bettenlager

um nur einige zu nennen.

Auf die Frage, wie diese Form der Vergütung aussehen soll, antwortet
Frau Zypries: "Da wir bereits in diesem frühen Lebensabschnitt eine
realistische Einstellung zum Wert des geistigen Eigentums
herausbilden wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als ein
Pay-per-Song-Modell einzuführen. Bei dieser Konstellation hätten wir
auch am wenigsten Widerstand aus der Musikindustrie zu erwarten."

Der Vertreter der Musikindustrie, Herr "Mousse T" äußert sich wie
folgt: "Wir begrüßen den Vorschlag von Frau Zypries sehr, obwohl er
unsere Vorstellungen nicht komplett abdeckt. Da nur der schulische
Bereich (inklusive Kindergartenzeit) davon abgedeckt wird, bleibt
dennoch eine große Verwertungslücke bestehen. Aber ein Anfang ist
gemacht.", so der Medienvertreter.

"Wir werden diese Aktion unterstützen, und den frühkindlichen
Erziehungseinrichtungen verbilligte Abrechnungssysteme zur Verfügung
stellen. Die Kinder bekommen bunte Chipkarten, mit denen sie vor dem
Singen der Lieder den Bezahlvorgang leicht durchführen können. Allein
dieser Vorgang stellt ein wertvolles Training für das spätere Leben
dar."

Die Frage, wie sozial schwache Familien die Vergütungsgebühren
aufbringen sollen, beantwortet Frau Zypries wie folgt: "Das fällt
eigentlich nicht in meinen Verantwortungsbereich, denn dafür ist der
Arbeitslosenminister zuständig, aber ich kann ihnen folgende
Leitlinie übermitteln: am wichtigsten ist die Vermittlung der
Strafbarkeit illegaler Musiknutzung. Derzeit entwickeln wir,
gemeinsam mit dem Bildungsministerium, ein duales Bildungsmodell,
welches dieses Problem beseitigt. Familien, denen die Mittel für die
Vergütungen fehlen, können ihre Kinder dann selbstverständlich vom
Musikunterricht freistellen lassen. Diese Regelung wird bereits seit
Jahrzehnten z.B. beim Religionsunterricht praktiziert, und hat sich
bewährt."

Ein Pressevertreter fragt nach: "Bedeutet das, daß dann viele Kinder
niemals singen dürfen?"

Herr "T" antwortet: "Nein, das muß es nicht unbedingt bedeuten,
derzeit prüfen wir gemeinsam mit der Firma 'Jamba', ob wir solchen
Kindern einen werbefinanzierten Musikunterricht anbieten können. Dies
könnte z.B. durch das Absingen von Handy-Klingeltönen realisiert
werden."

Frau Zypries, Herr "T", wir danken für das Gespräch.

—-

Diese Äußerungen hat es nie gegeben. Die beteiligten Personen sind
frei erfunden, und haben diese Äußerungen niemals gemacht.
Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind allerdings
beabsichtigt. Der Beitrag ist Satire und äußerst polemisch
geschrieben. Trotzdem melde ich auf die Inhalte und Ideen vorsorglich
Werktitelschutz an.

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3 Antworten to “Heise-Kommentar: Auswirkungen bis in den Kindergarten!”

  1. liquidat said

    Extrem gut gemacht, und richtig erschreckend – Respekt!

    Und es hat Spaß gemacht, den zu lesen 🙂

  2. princo said

    Vielen Dank für dein Lob.
    Noch sind die geschilderten Szenarien nur erschreckend. In einigen Jahren könnten sie leider Realität werden.

  3. […] Kinder singen. Vom ganz normalen Irrsinn des so genannten »geistigen Eigentums« wird jede Satire abgehängt. […]

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