Die Memoiren des Josh K. Phisher

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Offensive Gefahrenabwehr

Posted by princo - 07.06.2006


Während sich die Bloggerszene derzeit über die möglicherweise ungerechtfertigte Durchsuchung einer 16-jährigen zu Recht erregt, möchte ich bei der Gelegenheit auf das Schicksal von Khaled M. aufmerksam machen. Der Vorfall liegt zwar schon einige Jahre zurück, das Urteil ist aber erst kürzlich gesprochen worden.

Khaled M. (oder auch Mohammed Khama, die richtige Schreibweise ist mir unklar geblieben) ist wahrscheinlich kein Fußballfan, obwohl er mit ihnen eine Gemeinsamkeit aufweist:

Er trug eine Fahne bei sich.

Er war alleine, befand sich nicht in einem wütenden Mob, er stand einfach nur still da, mit seiner Fahne in der Hand und Latschen an den Füßen.

Er wollte auf die Situation seines Landes aufmerksam machen. Er ist Palästinenser. Er stand also am 22.05.2002 gegen 20 Uhr mit seiner Fahne an der Scharnweberstraße in Berlin, das ist übrigens kein besonders exponierter Ort, wie z.B. das Brandenburger Tor oder der Reichstag.

Plötzlich hielten vor ihm zwei Mannschaftswagen der Polizei vor ihm, und insgesamt neun Beamte nahmen sich des Problems an:

– Er wurde in den Polizeigriff genommen, dabei wurde ihm sein linker Arm gebrochen.
– Er fiel auf den Boden, und wurde weiterhin geschlagen und zusammengetreten.
– Er hat noch heute Schwierigkeiten seinen Arm zu bewegen, der Mann ist Kellner.

Fast vier Jahre nach dem Vorfall (für den es zahlreiche Zeugen gibt, und von dem sogar Fotos existieren), wurden alle angeklagten Polizeibeamten freigesprochen, da ihnen die Taten nicht individuell nachgewiesen werden konnten.

Da haben sie aber verdammtes Glück gehabt, daß sie (die Polizisten) keine sichtbaren Erkennungsnummern tragen müssen. Ihre Dienstnummern hatten sie schlauerweise auch auf mehrfache Nachfrage nicht herausgegeben.

Da das Opfer an einer Straße stand, auf der George W. Bush mit seiner Kolonne vom Flughafen in die Innenstadt fuhr, hatten die Beamten das Recht, eine "offensive Gefahrenabwehr" durchzuführen.

Ich habe zwar keine Tat-Fotos, aber ich habe ein paar Aufnahmen wenige hundert Meter vor dem Tatort erhalten. Darauf kann man ungefähr erkennen, wie die örtlichen Gegebenheiten waren, welche Sicherungsmaßnahmen durchgeführt wurden, und wie nah die Leute an die Kolonne herankamen.

Diese Fotos sind nach dem Vorfall entstanden.

B02_2513.JPG

Auf der Brücke fährt normalerweise die U-Bahn. Der Zugbetrieb wurde für die Durchfahrt des Präsidenten unterbrochen. Man beachte den Radfahrer am linken Brückenpfeiler.

B03_2519.JPG
Auf diesem Bild sieht man, wie nah die Passanten der Kolonne kommen konnten. Auf der betreffenden Straßenseite stand ungefähr alle 15 Meter ein Polizist. Auch auf dem Mittelstreifen waren Polizisten postiert.
B04_2520.JPG
Diese Leute mit Migrationshintergrund hatten zu ihrem Glück keine Flagge dabei.

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Eine Antwort to “Offensive Gefahrenabwehr”

  1. Wichtige Links

    Heute mal noch kurz außerhalb des üblichen Rahmens:Deutschland nackt bei Freunden Zweiter Eintrag im Lawblog [URL=http://www.lawblog.de/index.php/archives/200 …

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