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Berichterstattung im Fall Madeleine McCann

Posted by princo - 06.08.2007


Heute machte eine neue Meldung im Fall der vermissten Madeleine die Runde. Dabei tat sich Deutschlands schlimmste Gazette wieder einmal besonders hervor. Sie betitelte einen Artikel wie folgt:

Polizei jetzt sicher
Madeleine ist tot
Wende im Fall Maddie: Bei einer Spurensuche mit Leichenspürhunden und Infrarotlampen in dem Bungalow, aus dem sie verschwand, sind jetzt Blutspuren einer verstorbenen Person entdeckt worden.

Im dann folgenden Artikel wurde u.a. folgende Information gegeben:

Denn damit die Spezialhunde die Geruchsspuren einer Leiche erschnüffeln können, muss das Opfer mindestens zwei Stunden lang tot gewesen sein, erklärte einer der Polizeispezialisten. Die Ermittler glaubten deshalb, dass Maddie ermordet wurde oder tödlich verunglückte und ihre Leiche erst nach „zwei bis vier Stunden“ aus dem Zimmer entfernt wurde.

Wer dies aber getan haben soll – darüber schweigt die Polizei…

So, wie sich der Artikel liest, entsteht unwillkürlich der Eindruck, daß die Eltern doch etwas mit dem Verschwinden ihrer kleinen Tochter zu tun haben müssen, denn wie man ja weiß, haben die Eltern angeblich alle halbe Stunde nach ihren Kindern gesehen. Das passt ja nicht mit den neuen Erkenntnissen zusammen.

Ähnliches findet sich bei der Zeit, dem Standard, der Frankfurter Neue Presse, dem Berliner Kurier, und vielen anderen. Überall wird die Geschichte von den Leichenspürhunden verbreitet, und als Quelle werden zwei portugiesische Zeitungen benannt, welche ihre Informationen aus angeblichen „Ermittlerkreisen“ haben. Um ganz präzise zu sein: diese Meldung wurde wohl höchst offiziell von der dpa verbreitet (was eine Erklärung für die vielen gleichartigen Presseberichte ist)

Glücklicherweise hat ein sehr aufmerksamer Kommentator mit dem Nick „grosseteste“ einen Kommentar in der Süddeutschen hinterlassen, für den sich die ganzen großen Nachrichtenmagazine in Grund und Boden schämen müssten:

…Leichengeruch nach einer halben Stunde ist Blödsinn. Bei der englischen Presse liest sich das aber auch anders: ‚Specially trained cocker spaniel sniffer dogs, which are able to detect blood up to seven years old, located an area of the bedroom in which to search.‘ gefunden bei http://www.telegraph.co.uk/news/main.jhtml?xml=/news/2007/08/06/wmaddy306.xml Demnach waren das Bluthunde, keine Leichenspürhunde.

Folgt man dem angegebenen Link, so findet man beim englischen „Telegraph“ einen viel stimmigeren Bericht, wo über den gesamten Vorgang wesentlich exakter berichtet wird, und zudem harsche Kritik an der portugiesischen Polizei geübt wird, weil bisher gar nicht nach Blutspuren gesucht wurde.

Das Einzige, was an den in der deutschen Presse verbreiteten Geschichten der Wahrheit entspricht, ist, daß in dem Apartement Blutspuren gefunden wurden. Ob diese Blutspuren von der kleinen Madeleine stammen, steht überhaupt nicht fest. Und die Geschichte mit den Leichenhunden ist fast komplett erfunden. Keine Rede von einer Leiche, die in den Räumen gelegen haben soll, und Leichenhunde waren gar nicht beteiligt. Woher die „Bild“ die Erklärung des Polizeispezialisten hat, wäre mal sehr interessant. Wahrscheinlich haben die sich das einfach dazu gedichtet.

Es macht einen sehr wütend, wenn man erfährt, wie schlampig die Polizei in diesem Fall vorgegangen ist. Erst nach Monaten wird das Zimmer von britischen Spezialisten genau untersucht. Es stellt sich automatisch die Frage, ob die portugiesische Polizei diesen Fall überhaupt mit der nötigen Sorgfalt behandelt hat.

Und es macht einen auch wütend, wenn man erkennt, wie leichtfertig in der Presse ein solch schwerwiegender Verdacht gegen die Eltern transportiert wird.

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4 Antworten to “Berichterstattung im Fall Madeleine McCann”

  1. trotzdem wird es nicht ausgesprochen. Nun gut, danke für deinen Link

  2. […] Princo hat mich in einem Kommentar auf folgenden Umstand aufmerksam gemacht: […]

  3. […] Berichterstattung im Fall Madeleine McCann Heute machte eine neue Meldung im Fall der vermissten Madeleine die Runde. Dabei tat sich Deutschlands schlimmste […] […]

  4. […] Art der Berichterstattung hatte ich übrigens hier bereits etwas […]

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