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Anschlag in Deutschland ganz knapp vereitelt

Posted by princo - 06.09.2007


Verdammt, fast wäre es soweit gekommen, daß islamische Terroristen in Deutschland verheerende Anschläge durchgeführt hätten. Am Dienstag wurden drei Verdächtige im Sauerland festgenommen und das Grundmaterial für den Bombenbau sichergestellt. Außerdem wurden 41 Wohnungen durchsucht, wobei aber niemand verhaftet wurde.

Vorausgegangen war eine monatelange klassische Überwachung der Verdächtigen.

Zwischenbemerkung: eine Onlineüberwachung wurde anscheinend nicht durchgeführt, und war offensichtlich auch gar nicht nötig, um die Gefährdung abzuwenden.

Kommen wir nun zu den weniger schönen Dingen:
Einer der drei Verdächtigen konnte zuerst flüchten, und einer konnte einem BKA-Beamten die Waffe entwenden, wobei sich ein Schuß löste, und beide leicht verletzte. So richtig glatt scheint das also nicht abgelaufen zu sein.

Minister Schäuble nannte das Vorgehen der Täter hoch professionell, weil sie wussten, daß sie den Behörden aufgefallen waren, und die Anschlagsvorbereitungen trotzdem fortgesetzt hätten.

Ist das wirklich professionell, oder einfach dumm und dreist? Ich habe da so gewisse Zweifel.

Während der Erstellung dieses Artikels gab es ein paar neue Veröffentlichungen in der Presse. So gibt es zwar die 12 Fässer mit Wasserstoffperoxid, aber nur eines davon wurde ins Sauerland transportiert, um angeblich mit dem Bombenbau zu beginnen.

Was mich bei der ganzen Geschichte allerdings sehr wundert (ohne den Wahrheitsgehalt in Frage zu ziehen), ist die Wahl des Sprengmittels. Man kann aus Wasserstoffperoxid durchaus Sprengstoffe wie Acetonperoxid oder HMTD herstellen, jedoch ist der Umgang mit diesen Sprengstoffen äußerst heikel, da das Zeug schon beim bloßen Ansehen hochgehen kann.

In den aktuellen Medienberichten wird derzeit immer wieder erwähnt, daß dieses Zeug auch bei den Anschlägen in London am 7.7.2005 verwendet wurde. Liest man sich den entsprechenden Wikipedia-Artikel durch, so fällt eine bestimmte Passage besonders auf:

Es gilt mittlerweile als nicht mehr gesichert, dass es sich bei den Anschlägen um Selbstmordattentate gehandelt hat. Die mutmaßlichen Täter hatten Parkscheine und Rückfahrkarten gekauft, außerdem hatten sie Ausweispapiere bei sich, was für Selbstmordattentäter nicht typisch ist. Es sei möglich, dass die Täter nicht die Absicht hatten, zu sterben, sagte ein Sprecher von Scotland Yard.

Bedeutet das etwa, daß sich die Attentäter in England damals ganz ungeplant hochgejagt haben, und den Stoff womöglich nur transportieren wollten? Nun, das ist nur eine Vermutung, und die Aussage ist auch nicht belegt. Genau so wenig, ob dabei wirklich dieses Sprengmittel verwendet wurde.

Kommen wir zum aktuellen Fall zurück:
Es wurden 730 kg 35-prozentiges Wasserstoffperoxid sichergestellt. Angeblich soll sich daraus etwas herstellen lassen, was der Sprengkraft von 550 kg TNT entspricht. Nachdem was ich gelesen habe, dürfte der selbst hergestellte Sprengstoff auch ungefähr das gleiche Gewicht aufweisen. Die Rucksackbomber in der Londoner U-Bahn in der Londoner U-Bahn hatten „nur“ eine Sprengkraft von 3-5 kg TNT.

Es war also geplant, mehr als die 100-fache Menge des Sprengstoffs herzustellen, der in London zur Anwendung kam.

Und dann werden hier nur drei Leute festgenommen, und das Ganze auch noch als riesiger Erfolg gefeiert?

Sorry, aber das passt für mich nicht so ganz zusammen. Ich habe das ganz blöde Gefühl, daß hier nur die „Hersteller“ geschnappt wurden, und die eigentlichen „Anwender/Ausführer“ durch die Lappen gegangen sind.

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4 Antworten to “Anschlag in Deutschland ganz knapp vereitelt”

  1. MaxR said

    Es scheint, daß die Mengen an Peroxid gar nicht zum Bombenbau sondern zum Blondieren benutzt werden sollten: Blonde Islamisten sind nämlich für den Innenminister nicht durch bloßes Hinsehen als Topgefährder erkennbar und können somit ihr Unwesen effizienzoptimiert treiben.

    Die werden aber auch immer raffinierter – demnächst lassen sie sich vielleicht eine Glatze schneiden!

  2. aquariagermania said

    Du schreibst

    „Vorausgegangen war eine monatelange klassische Überwachung der Verdächtigen.

    Zwischenbemerkung: eine Onlineüberwachung wurde anscheinend nicht durchgeführt, und war offensichtlich auch gar nicht nötig, um die Gefährdung abzuwenden.“

    In einem Interview mit, ich glaube, dem ZDF. Wurde Herr Schäuble gefragt, ob der Ermittlungserfolg in Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten zustande gekommen ist, die keiner Beschränkung in der Onlineüberwachung unterliegen. Und ob die dabei gewonnenen Erkenntnisse verwand wurden. Er antwortete das es selbstverständlich eine enge Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten gegeben hat.

    Es ist also egal ob es in Deutschesland eine gesetzmäßige Onlineüberwachung gibt. Man überwacht und bekommt den Persilschein von den ausländischen Kollegen.

  3. princo said

    @MaxR: Neueste Überlegungen der Verantwortlichen werden wohl zur Folge haben, daß es in Zukunft nur noch natürliche Blondinen geben wird. Allerdings auf Kosten des Friseurhandwerks.

    @aquariagermania: ja, diese Informationen sind mittlerweile bekannt geworden. Ob sie aber stimmen, kann ich schlecht beurteilen. Eine Argumentationsstrategie, die besagt: „wenn wir es nicht dürfen, dann holen wir es uns halt von woanders her“, dürfte das Vertrauen in den Rechtsstaat nicht besonders stärken. Genausowenig, wie die Verwendung von unter Folter erlangten Informationen. Geht nach hinten los. Definitiv. Auch wenn es ein paar Jahrzehnte dauern kann.

  4. […] Verfasst von princo am 06.02.2009 Zu den mutmaßlichen “Möchtegern-Sauerland-Attentätern” hatte ich ja bereits vor längerer Zeit etwas geschrieben. […]

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