Die Memoiren des Josh K. Phisher

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Lesebefehl

Posted by princo - 24.04.2008


Mal angenommen, ihr hättet richtig Wut im Bauch.

Eine Wut, die sich darauf begründet, wie Politiker ihre Macht mißbrauchen, und mühsam erkämpfte Grundrechte einfach in die Tonne kloppen wollen. Wenn alles nach Korruption und Vorteilsnahme stinkt. Wenn die Schulhöfe kriminalisiert werden, um die Interessen einer mächtigen Lobby zu schützen, und auch der angebliche Kampf gegen den Terror mit dazu dient, das Aufmucken des Volkes wirksam zu unterbinden.

Wenn Journalisten nicht nur bespitzelt, sondern auch in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht werden, nur weil sie kritische Fragen gestellt haben.

Wenn es der Staat für sich herausnehmen will, euch beim Pinkeln zu belauschen, obwohl ihr weder eine Straftat begangen habt, noch dieser verdächtigt werdet.

Also, nur mal angenommen, ihr würdet eurem Ärger Luft machen, und mal richtig Klartext reden:

Würdet ihr es nicht am Liebsten genauso wie Jochen Hoff machen?

Bitte auch unbedingt den dort verlinkten Text „mein lieber Freund“ beachten.

(via Dobschat)

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5 Antworten to “Lesebefehl”

  1. daRONN said

    Interessanter Schlagabtausch.

    Ich möchte Herrn Hoff keinesfalls die durchaus richtige Darstellung von Sachverhalten aus der aktuellen Rechtsstaatlichkeit absprechen. Wäre ich jedoch scharf auf eine mehrmonatige Freistellung von meinem Angestelltenverhältnis mit der Begründung „12 Quadratmeter Selbsterfahrung“, würde ich zu finanziell lukrativeren Maßnahmen greifen.

    Wer von beiden den Choleriker-Oscar abräumen wird, bleibt dennoch zu beobachten und abzuwarten.

  2. abi said

    ich habe den brief ebenfalls gelesen und auch zeit.de den „offiziellen“ sachverhalt.
    ich weiss jetzt nicht wirklich, wo das problem ist. natürlich kann man – wenn man euer land so ansieht – durchaus denken, das würde in richtung bananenrepublik gehen. aber vielfach wird einfach auch nur ein sturm im wasserglas entfacht, damit man halt mal was gesagt hat. (ob das hier so ist, weiss ich ja nicht).

    und noch was: ihr habt merkel und co. selber gewählt. ihr seid selber schuld 🙂 gibts denn bei euch keine möglichkeit, eine gewählte regierung abzuwählen?

  3. daRONN said

    Moooooment mal. Die Kanzlerin (hab ich das jetzt echt laut geschrieben?) wählt niemand direkt, mein Freund! Wir wählen nur Parteien, die ihre Kandidaten selbst aufstellen. Demokratie ist eben nicht immer der Fernsehsessel des Volkes.

    Und Österreich ist ja von der Diktatur auch nur noch einen Ötzi-Sprung weit entfernt… ;o) Oder war das die Schweiz? Naja, egal, Hauptsache man is gesund… oder so…

  4. abi said

    du meinst wohl mein geheimes geheimprojekt schwösterreich 😀 aber ich bin ja schweizer 😉
    okay, wir haben ja direkte demokratie 😀

  5. princo said

    Auf gewisse Weise habt ihr beide Recht. Natürlich wurde die Kanzlerin nicht direkt gewählt, aber es war von Anfang an klar, wer die Kanzlerkandidaten sind.

    Nun ist die Wahl aber unentschieden ausgegangen, keine der beiden großen Parteien konnte eine regierungsfähige Mehrheit bilden, und es kam zur ungeliebten „großen Koalition“. Das ist das Ergebnis des Wählerwillens.

    Ich kann mittlerweile keinen großen Unterschied mehr zwischen SPD und CDU erkennen. Im Bereich des Innenministeriums war das aber schon in der vorherigen Regierungsperiode der Fall. Otto-Schily (SPD) hat damals schon Positionen vertreten, die man höchstens einem ultrastrammen CSU-Mitglied zugetraut hätte.

    Ich habe weder die eine noch die andere Partei gewählt, meine Stimme ging an eine Partei, von der ich dachte, daß sie ein gesundes Regulativ darstellen würde, egal mit wem sie letztendlich koalieren muß.

    Heute würde ich nicht mehr so wählen. Ich könnte derzeit gar keiner Partei meine Stimme geben. Zu groß ist die Enttäuschung darüber, wie schnell die eigenen Positionen aufgegeben werden, wenn es darum geht eine hauchdünne Mehrheit zu erlangen.

    Mir ist klar, daß es in der Politik nicht ohne Kompromisse abgehen kann. Es gibt auch einzelne Politiker, die ich für integer halte, und vor deren Haltung und Handeln ich den Hut ziehe, selbst wenn sie nicht an der Regierungsarbeit beteiligt sind. Es ist aber immer das Gesamtpaket ausschlaggebend, und gerade dort sieht es mau aus.

    Und zwar durchgängig.

    Es gibt aber noch eine andere Sache, die Abi’s Kommentar anreißt: und zwar geht es um den „Sturm im Wasserglas“.

    In der sog. „Blogosphäre“ (die eigentlich nicht existiert, aber das ist ein anderes Thema), werden Tagesereignisse abgefeiert. Dies geschieht manchmal ziemlich heftig und knackig. Aber sehr schnell ist alles zu den Thema gesagt, und das nächste Ereignis wird behandelt.

    In der Politik läuft aber manches ziemlich langsam ab, oft über mehrere Jahre verteilt. Damit scheinen viele Netznutzer nicht klarzukommen.

    Nur haben sich Leute wie Schäuble & Co. zu einem Dauerbrenner entwickelt, weil sie permanent neue Ungeheuerlichkeiten raushauen, die sich eben auch in entsprechenden Artikeln niederschlagen.

    Ich behaupte einfach mal, daß es schon einen gewissen Konsens darüber gibt, wie diese Ausfälle zu bewerten sind, und wohin das schlimmstenfalls führen wird.

    ABER:
    Die Mehrheit der Bevölkerung bekommt diese Diskussionen überhaupt nicht mit. Die benutzen das Internet gar nicht als Informationsquelle. Das darf man nie vergessen. Es ist auch nur ein ganz kleiner Bruchteil, der seine Meinungen und Ängste im Netz öffentlich macht, oder darüber diskutiert.

    Das Internet ist eben kein richtiger Spiegel der Gesellschaft. Es spiegelt nur den Teil der Gesellschaft wieder, der sich auch damit beschäftigt.

    Im Netz diskutieren die Leute zwar engagiert über die möglichen Auswirkungen von geplanten Gesetzen und 90% der Bevölkerung weiß gar nicht, was da im Anrollen ist. Die kennen nur die klassischen Printmedien, und das Fernsehen. Und wenn man sich die dortige Berichterstattung anschaut, läuft es einem kalt den Rücken runter.

    Da verwundert es einen doch gar nicht mehr, daß z.B. in Italien ein Herr Berlusconi wieder an die Macht gelangt, nur weil er Herr über die meisten Fernsehsender ist, und die Berichterstattung nach Belieben steuern kann.

    Ich finde es sehr bedenklich, daß durch Maßnahmen wie der Vorratsdatenspeicherung ein Klima der Angst und Einschüchterung aufgebaut wurde, und sich die Leute dadurch nicht mehr trauen, ihre ehrliche Meinung zu sagen.

    Das alles gab es bereits in ähnlicher Form schon mehrmals in Deutschland. Ich hoffe nur, daß sich die Leute daran erinnern, und daß dieser Wahnsinn irgendwann gestoppt wird.

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