Die Memoiren des Josh K. Phisher

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Boxen: Firat Arslan gegen Guillermo Jones

Posted by princo - 29.09.2008


Den Boxsport finde ich ja irgendwie ziemlich faszinierend. Jedenfalls, wenn man es mit Fußball vergleicht. Beim Fußball wird ja mittlerweile das kleinste Foul und das leiseste Zupfen am Trikot mit knallharten Sanktionen geahndet. Nicht mal den Schiedsrichter darf man ungestraft bepöbeln.

Na, und beim Boxen gibt es unentwegt eins auf die Fresse, und selbst wenn da mal ein bisschen Blut läuft, wird ein Kampf nicht gleich abgebrochen. Wenn beim Fußball ein Spieler zu Boden gesenst wird, dann sind (fast) alle tief empört, beim Boxen ist das aber das eigentliche Ziel des ganzen Kampfes.

Mache Boxkämpfe sind allerdings etwas blutiger als andere Kämpfe. So auch der Kampf zwischen Arslan und Jones letzten Samstag. Es ging um die Weltmeisterschaft im Cruisergewicht, und Jones war der Herausforderer.

Der Kampf wurde im ZDF übertragen, was schon mal den Vorteil hatte, daß die Ringpausen werbefrei waren. Ich hasse das, wenn die Boxkämpfe bei den Privaten gesendet werden, und man alle drei Minuten mit Werbung zugedröhnt wird. Für mich gehören die Pausen genauso zu einem Boxkampf, wie die eigentlichen Runden. Beim Fußball ist es mir egal was sich die Jungs in der Kabine anhören müssen.

Aber beim Boxen muß man auch die Kampfpausen zeigen, sonst macht das keinen Sinn. Man kann nicht erkennen, ob sich ein Boxer zwischendrin erholt, wie der Trainer auf ihn einschreit, und ob er das, was man ihm sagt, dann auch umsetzt.

Es gibt nur eine Sache, die noch nerviger ist als Werbung: Die Kommentatoren. Hier nehmen sich die öffentlich rechtlichen und die Privaten nichts. Ich meine nicht die Kasper, die das Geschehen um den Ring beschreiben, nein, ich meine die Leute, die den Kampfverlauf kommentieren. Eigentlich sollte man doch erwarten können, daß es sich dabei um Leute handelt, die nicht nur die Schläge richtig bezeichnen, sondern den Kampf auch einigermaßen objektiv beschreiben können. Vor allen Dingen sollte der Kommentator es sich klemmen, zu sehr für einen Kämpfer Partei zu ergreifen.

Wenn Werder-Bremen gegen Bayern-München spielt, dann klappt das doch auch, oder etwa nicht?

Nun, für Günther-Peter Ploog, Chefkommentator [sic], gelten solche simplen und fairen Umgangsformen wohl nicht. Es mag vielleicht menschlich verständlich sein, daß man gewisse Sympathien gegenüber dem Weltmeister hegt, möglicherweise weil er schon einige Kämpfe von ihm gesehen hat, aber es entschuldigt in keiner Weise, daß man den Kampfverlauf völlig einseitig und vollkommen falsch wiedergibt. Allerdings scheint der Herr Ploog dafür bekannt zu sein.

Mein Kampf (ääh, nicht das Buch, sondern wie ich ihn gesehen habe):

In den ersten drei Runden verhielt sich der Weltmeister Arslan rein passiv und verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung. Der Herausforderer Jones trommelte allerdings nicht blindlings darauf ein, sondern beharkte den Weltmeister mit ausgezeichneten Uppercuts und einer Vielzahl von Körpertreffern. Das war eine kluge Strategie und Boxtechnik vom Feinsten.

Zuerst sah es so aus, als ob Arslan Jones sich „müde boxen“ lassen wollte. Aber der Kerl wurde überhaupt nicht müde, und trommelte auch in den weiteren Runden lustig auf Firat Arslan ein. Die, sehr seltenen, Aktionen von Arslan wurden vom Publikum mit Beifallskundgebungen bedacht. Viel Gelegenheit zum Klatschen hatten sie allerdings nicht, weil kaum Aktionen vom Weltmeister kamen.

Dieser beschränkte sich eigentlich nur darauf, seinen Körper, den Ringboden, den Gegner, den Ringrichter und das Handtuch seines Trainers vollzubluten. Richtige Boxschläge waren nur vereinzelt zu erkennen.

Nichtsdestotrotz faselte Herr Ploog die ganze Zeit von dessen „überragender Physis“. Wahrscheinlich fand er einfach nur das Wort „Physis“ so toll. Von dieser tollen Physis war jedenfalls nichts zu sehen. Vielleicht ist „überragende Physis“ ja ein Synonym für „ich nehme alle Schläge, und warte, daß sich der Gegner die Hände bricht, weil ich gar nicht weiß, wie ich diesen Gegner boxen soll.“. Dann könnte die Bedeutung glatt stimmen.

In der 10. Runde brach der Ringrichter den ungleichen Kampf ab, da Arslan nicht mehr verteidigungsfähig war. Der Herausforderer Jones hat diesen Kampf völlig überlegen, und zu Recht gewonnen.

Günther-Peter Ploog entblödete sich allerdings vergaß nicht, am Ende des Kampfes darauf hinzuweisen, daß es ja auch durchaus sein kann, daß hier nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Der Vorwurf „Doping“ hing unausgesprochen im Raum, es war aber klar, daß er diesen Eindruck erwecken wollte.

Manch einer bekommt für solche Äußerungen auch mal gerne eine Klage an den Hals.

Eine gute Zusammenfassung der einzelnen Runden kann man sich hier durchlesen.

Fazit: Toller Kampf, gerechtes und eindeutiges Urteil, grottenschlechter Kommentator, keine störende Werbung, allerdings viel Blut.

Mein Wunsch für die Zukunft: Boxkämpfe bitte im Zweikanalton ausstrahlen. Ein Kanal mit den Originalton, und der andere Kanal mit den Kommentaren. Das wäre perfekt.

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