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Wenn Bücher uns beobachten

Posted by princo - 11.11.2008


Wie findet ihr es eigentlich, wenn ihr beim Lesen eines Buches oder einer Zeitschrift ganz genau beobachtet werdet? Wenn jemand ganz exakt mitprotokolliert wie lange ihr für das Lesen einzelner Seiten braucht, ob ihr vor- und zurückblättert, bestimmte Kapitel öfters lest, oder sie überspringt? Dies nicht etwa, wenn ihr euch in der Öffentlichkeit bewegt, sondern wenn ihr gar nicht damit rechnet?

Nun, beim Betrachten von Internet-Seiten ist soetwas eine gängige Praxis. Ausgefeilte Statistiktools protollieren jeden einzelnen Klick und ermöglichen umfangreiche Auswertungen.

Bei Internet-Seiten dürfte so etwas mitlerweile bekannt sein, beim Lesen von heruntergeladenen Büchern wird man damit allerdings kaum rechnen.

So beispielsweise bei einem PDF-Dokument, welches sich von der Webseite der Schweizerischen Kriminalprävention downloaden kann. Im Prinzip ist dieses Dokument/Buch gar nicht mal so schlecht. weil dort sehr viele Fallbeispiele aus dem Bereich der Internetkriminalität erläutert werden, und auch entsprechende Gegenstrategien aufgezeigt werden, aber dennoch gibt es bei diesem „Buch“ eine Sache, welche ich persönlich als sehr unschön empfinde:

Es fängt damit an, daß man dieses Dokument ausschließlich mit dem Acrobat-Reader öffnen kann. Mit freien Alternativen, wie z.B. Evince kann man den Text nicht lesen.

Das liegt daran, daß bei diesem Dokument eine Technik der Firma Docmetrics eingesetzt wird, um bestimmte Informationen über das Leseverhalten der Nutzer herausfinden zu können. Das dient dazu, um die Kampagne zu evaluieren, und angeblich werden dabei keine Daten des Benutzers übermittelt (was wohl sonst?). Weiterhin ist es dadurch möglich, ein Umfragetool in das Dokument zu integrieren, dessen Nutzung natürlich freiwillig ist.

Das Problem ist nur, daß bei PDF-Dokumenten solche Formularprozesse bereits standardmäßig integriert sind, und es eigentlich nicht des Einsatzes von zusätzlichen Softwarewerkzeugen bedarf, um dies umzusetzen. Bleibt also nur die Vermutung, daß es hier wohl hauptsächlich auf die Beobachtung des Nutzerverhaltens ankommt. Dafür spricht auch, daß das Dokument selbst im Acrobat-Reader nur dann lesbar ist, wenn man der Überwachungsfunktion zustimmt. Im Dokument selbst wird auf diesen Sachverhalt nur durch einen englischsprachigen [sic], wenig aussagekräftigen Text hingewiesen, welchen man übrigens erst dann zu sehen bekommt, wenn man diese Überwachungsfunktion bereits aktiviert hat.

Ein Blick auf die Webseite des Überwachungstools verstärkt diesen negativen Eindruck noch. Dort springt einem gleich der Spruch „Want to know more about WHO is downloading reading & sharing your documents?“ entgegen.

Das ist wenigstens eindeutig.

Meiner Meinung nach geht es niemanden etwas an, wie, wann, warum, wie oft, wo, weshalb ich ein Buch oder ein heruntergeladenes Dokument ansehe. Das ist meine eigene Angelegenheit, und es hat niemanden zu interessieren. Was mir besonders negativ aufstößt, ist die Tatsache, daß es dem Leser nicht freigestellt wird, ob er diese Überwachungsfunktion nutzt, oder nicht. Er wird darüber um unklaren gelassen, wie weitreichend die Protokollfunktion wirklich ist.

Ich wüßte übrigens auch nicht, wozu dies überhaupt gut sein soll, aber das ist wohl mein persönliches Problem.

Von daher kann ich es auch nicht empfehlen, dieses Dokument zu nutzen oder gar weiterzuverbreiten, egal wie gutgemeint die dort enthaltenen Informationen sein mögen.

Der „Schweizerischen Kriminalprävention“ kann ich nur folgende Bitte übermitteln: Nehmt diese seltsame Protokollfunktion aus dem Dokument heraus, dann könnte ich es vielleicht sogar weiterempfehlen.

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