Die Memoiren des Josh K. Phisher

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Piratenpartei bei Phoenix

Posted by princo - 23.06.2009


Habe mir gerade den Livestream von Phoenix reingezogen, wo der Vorsitzende der Piratenpartei Dirk Hillbrecht vom Moderator und Rupert Scholz in die Mangel genommen wurde.

Nachtrag: Die Aufzeichnung der Sendung kann jetzt HIER angesehen werden.

Parallel dazu habe ich die spontan dazu entstandene Diskussion auf Twitter verfolgt, was immer sehr spannend ist.

Wer nun geglaubt hat, daß die Piratenpartei eine faire Chance zur Selbstdarstellung bekommen würde, der mußte zwangsläufig enttäuscht werden, und das schlug sich auch in den Twitter-Kommentaren wieder. Dort war von einer „Vorführung“ die Rede, und daß die „Piraten“ nicht gut rübergekommen wären.

Bullshit.

Es ist doch logisch, daß ein Neuling gewisse Probleme bekommt, wenn er zwei ausgebufften Medienprofis gegenübertritt, welche ihm ständig ins Wort fallen, und ihn gar nicht ausreden lassen. Das ist deren Job, und diese Kunst haben sie jahrzehntelang perfektionieren können. Auf eine solche Situation kann man sich auch nur schwer vorbereiten (auch nicht mit Trainings), da muß man einfach mal durch und dabei die Zähne zusammenbeißen.

Was die Sendung allerdings sehr deutlich aufgezeigt hat, ist die Tatsache, daß eine gemeinsame Diskussionsebene gar nicht vorhanden ist.  Das war am Besten bei dem Thema „Softwarepatente“ zu sehen, wo weder der Moderator, noch Rupert Scholz wußten, um was es dabei überhaupt konkret geht.

In einer solchen Situation könnte man mit Engelszungen reden, man würde nicht durchkommen.

Sicher hätte man die eine oder andere Sache geschickter anbringen können, aber die wenigsten von uns haben sich bislang in einer solchen Situation befunden, und ich wette, daß die meisten in dieser Diskussion ganz fürchterlich baden gegangen wären, denn da wurden ein paar ganz schwere Kaliber aufgefahren.

Unterm Strich hat sich Dirk Hillbrecht aber wacker geschlagen. Was die Sendung allerdings eindeutig bewiesen hat, ist die Tatsache, daß es tatsächlich einen gewaltigen Generationenkonflikt gibt. Die (alte) Politik hat nicht begriffen (und will es auch nicht), welchen Stellenwert das Internet im Leben von jungen Leuten hat. Sie ahnen nur, was da auf sie zurollt, und das macht ihnen Angst.

Daher wollen sie alles reglementieren, kontrollieren und verbieten. Daß das nicht funktionieren kann, wollen sie einfach nicht wahrhaben.

Da ist ein Zug in Bewegung geraten, der sich nicht aufhalten läßt, der wird den etablierten Parteien noch ordentlich Kopfschmerzen bereiten, und das ist auch ganz gut so.

Die etablierten Parteien haben in den letzten Wochen mehr als deutlich bewiesen, daß sie mit den Herausforderungen einer modernen Informationsgesellschaft nicht fertig werden, und ich finde es daher nur folgerichtig, daß sich jetzt eine Bewegung gegründet hat, die diesem Mißstand entgegentritt.

Völliger Blödsinn ist es aber, hier von einer medialen Hinrichtung zu sprechen. Phoenix ist ein Sender, der bei den meisten Fernbedienungen eher im hohen zweistelligen Bereich abgelegt ist, und daher eher etwas weniger Relevanz „beim Volke“ geniest.  Das ist auch momentan noch gar nicht so wichtig, den der größte Teil den Anhängerschaft rekrutiert sich derzeit aus dem Netz und hier liegen auch die Stärken der Piratenpartei. Dort bildet sich gerade eine Basis und die muß sich erstmal stabilisieren.

Wenn die Sache so weitergeht, wie ich es vermute, dann wird sich die Partei auch weiter professionalisieren, es wird weitere Berichte geben, und die Standpunkte werden noch klarer herausgestellt werden können.

Habt ihr etwa gedacht, daß es einfach wird?

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6 Antworten to “Piratenpartei bei Phoenix”

  1. […] der Piratenpartei Martins Blog: PP-Vorsitzender auf Phoenix Die Memoiren des Josh K. Phisher: Piratenpartei bei Phoenix Ritinardo: Kapitän der Piraten im Kreuzfeuer FAIL oder WIN? Und Dirk Hillbrecht, Letzte […]

  2. Stefan said

    Tötet bitte twitter!
    Wie kann man in der heutigen zeit so ein geschlossenes System gut finden?
    es gibt doch blogs und foren u.s.w.
    Sich da auf einen einzigen Anbieter einzuschießen finde ich sehr fragwürdig!

    Gibt es wenigstens irgendwelche clients die man auch als normal sterblicher ohne Anmeldezwang benutzen kann,um twitter zu verfolgen?

  3. Guido said

    Gibt’s irgendwo einen Mitschnitt zum jetzt-nachher-noch-schauen? Ich hab die Sendung gestern verpasst.

    @Stefan: http://search.twitter.com/ selbst, die Suche läuft auch ohne Anmeldung. Sehr gut finde ich auch http://tweettabs.com/, aber das ist im Moment bei mir irgendwie offline.

  4. princo said

    Ich habe den Link zur Aufzeichnung der Sendung oben nachgetragen.

    @Stefan: Es gibt viele Gründe, warum sich Twitter auf breiter Front durchgesetzt hat, obwohl es ein „geschlossenes System“ ist. Dazu gehört die Einfachheit, die enorme Geschwindigkeit, sowie der Fakt, daß es sich kaum zensieren läßt, wie es derzeit am Beispiel Iran sehr schön zu sehen ist.

  5. Der Sven said

    Von einer „medialen Hinrichtung“ zu sprechen halte ich für genauso falsch wie Deine Aussage, dass er sich wacker geschlagen hat!

    TV IST NICHT WAHRHEIT, TV war und ist schon immer Rhetorik mit einigen Kernpunkten, die überzeugend rübergebracht werden müssen, und genau in diesen Punkten hat Dirk sich leider an die Wand drücken lassen.

    Ich mache NICHT nur Dirk zum Vorwurf, dass er nicht vorbereitet genug war – ich mache viel eher der Partei selbst den Vorwurf, sich auf solche Momente entweder garnicht, oder nur halbherzig vorzubereiten!

    Die Piratenpartei existiert seit 2006 – es war doch klar, dass man es früher oder später auch mal ins Fernsehen schaffen wird, und dass man dort dann zerrissen wird – er hatte 3 Jahre Zeit, sich auf eine solche Veranstaltung vorzubereiten……!

  6. Sascha said

    Guten Morgen,

    ich habe die Sendung im TV gesehen, leider kann ich euch da nicht zustimmen, zerfetzt wurde da niemand. Ich fand es sogar sehr vorbildlich von Herr Hillbrecht das er sooooolange durchgehalten hat und den älteren Herren ständig von vorne das kleine 1×1 beizubringen. Natürlich war das ein Kampf gegen Windmühlen, wie will man den eine Diskusion führen wenn der Gegenüber in einer anderen Welt lebt.

    Gruss Sascha

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