Die Memoiren des Josh K. Phisher

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Campina, Campina, Campina

Posted by princo - 28.06.2009


Da gibt es so eine Firma, die verkauft einen Fleischersatz aus Milch, und um den Verkauf anzukurbeln, haben sie natürlich auch eine Webseite dafür gemacht.

Diese Webseite weist allerdings ein ganz besonderes Feature auf: Jeder Internetnutzer kann auf dieser Seite eigene Inhalte darstellen. Dafür muß man nicht einmal irgendwelche Sicherheitsmechanismen überwinden, es reicht aus, wenn man die URL dieser Seite etwas modifiziert.

Damit kann man dann z.B.:

  • auf besondere Eigenschaften des Produkts hinweisen.
  • neue Rezeptvorschläge einbringen

Der Blogger Janosch hat auf seiner Webseite humorvoll auf dieses interaktive Feature hingewiesen, und dies mit einem Screenshot illustriert.

Eigentlich eine tolle Sache für diese Firma, so sollte man meinen. Da bekommen sie kostenlose Werbung von einem Blogger, und darüber sollten sie sich doch eigentlich freuen.

Das tun sie aber nicht.

Sie aktivieren einen Anwalt. Und der schickt eine Unterlassungsaufforderung.

Das ist der Punkt, wo die Sache richtig albern wird. Er soll den Link auf die Seite, und den Screenshot entfernen, und das auch noch zackzack, sonst gibt es richtig Ärger.

Meinen bescheidenen Rechtskenntnissen zufolge hat Janosch aber nichts Falsches getan. Der Screenshot ist völlig legal, weil es ein Bildzitat ist, und einen bestimmten Sachverhalt dokumentiert, und der Link auf die betreffende Seite kann schon mal gar nicht illegal sein, es sei denn, die Seite selbst wäre nicht legal. Er hat auch keine unwahren Tatsachenbehauptungen getätigt.

Was wollen diese Experten eigentlich von Janosch?

Wollen sie ihn einfach nur ärgern, oder haben die gar nicht begriffen, um was es überhaupt geht?

Nun, so absurd die Sache auch ist, der Janosch hat derzeit ein Problem. Er läuft Gefahr, in einen kostspieligen und nervenaufreibenden Rechtsstreit hineingezogen zu werden, welchen er gar nicht zu verantworten hat. Er hat es doch nur gut gemeint.

Aber ihr könnt ihm helfen: Dafür müsst ihr nicht einmal Geld spenden, oder irgendetwas Aufwändiges tun. Es reicht völlig aus, wenn ihr auf diesen Unterstützungslink klickt (je öfter, desto besser).

Verbreitet diesen Link bitte weiter, egal ob per Twitter, Mail oder Messenger. Postet ihn in euren Foren oder auf Webseiten. Seid kreativ.

Ein internationales Anwaltskonsortium wird sich dann sehr wahrscheinlich der Sache  annehmen und diesem Spuk ein Ende bereiten, ohne daß dem Janosch dadurch irgendwelche weiteren Scherereien entstehen.

(via Wut!)

Nachtrag zum Artikel:
Nachdem das Thema einige kontroverse Diskussionen an anderer Stelle ausgelöst hat, möchte ich noch einige Anmerkungen hinzufügen.

Es geht mir nicht darum, dieser Firma irgendwelchen Schaden zuzufügen. Die betreffende Webseite weist aber eine Funktionalität auf, welche sich sehr leicht für wirklich bösartige Aktionen nutzen ließe. Die hier aufgeführten Beispiele in den Links sind dabei sogar noch relativ harmlose Demonstrationen.

Die verantwortliche Firma hält es aber anscheinend nicht für nötig, diese Möglichkeit technisch zu unterbinden, was innerhalb von wenigen Minuten ganz leicht zu bewerkstelligen wäre. Damit übernimmt sie möglicherweise gleichzeitig die Verantwortung dafür, was man mit diesen „Feature“ böswillig anfangen könnte (Mitstörerhaftung?).

Aber anstelle sich um die technische Sicherheit des eigenen Angebots zu kümmern, wird mit der großen juristischen Keule auf den Überbringer der schlechten Nachricht losgegangen.

Von allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dürfte diese die wohl mit Abstand Unsinnigste sein.

Es ist erschütternd, daß für einige Firmen der Rechtsanwalt leichter zu erreichen ist als der Techie, der das Problem sofort lösen könnte.

Über juristische Spitzfindigkeiten möchte ich an dieser Stelle nicht weiter äußern, dies wird ggfs. ein fähiger Rechtsbeistand übernehmen.

Dieser Artikel wäre übrigens nicht geschrieben worden, wenn die Firma adäquat reagiert, und das Problem einfach abgestellt hätte. Ich werde diesen Artikel zurückziehen, wenn die Grundlage dafür entfallen ist. Dies habe ich übrigens in der Vergangenheit auch bei anderen Vorfällen so gehandhabt. Fehler können immer passieren, es kommt halt nur darauf an, was man daraus macht.

In diesem Sinne.

Noch ein Nachtrag (30.06.09):
Wie man diesem Beitrag entnehmen kann, gibt es eine Einigung zwischen dem anderen Blogbetreiber und der angesprochenen Firma. Der Stephan Janosch wird für seine Veröffentlichung nicht belangt, und muß auch nichts zahlen.

Ich habe daher die lustigen Links herausgenommen.

Allerdings scheint es immer noch möglich zu sein, beliebige Inhalte auf der Webseite zu plazieren. Obwohl diese (u.U. sehr gefährliche) Funktionalität spätestens seit dem 26.06.09 der Firma bekannt ist, hat es dort keine Veränderungen gegeben.

Der geneigte Leser mag sich darüber seine eigenen Gedanken machen.

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10 Antworten to “Campina, Campina, Campina”

  1. […] am eigenen Leib, wie von René vorhergesagt. Und dabei war ich nicht mal gemein, dass haben andere übernommen. Sogar auf die Gefahr Javascript einzubinden, wird hingewiesen. Damit könnte […]

  2. Der Sven said

    Was mich dabei ja wundert (!!!): da ist ja garnichts von Unister etc in der hübschen Aufreihung von gemoppsten Bildern! :mrgreen:

    Ansonsten ist das typisch Deutschland! Zu dämlich, eine vernünftige Rewrite-Rule zu setzen, absolut nichts begreifen, und sich dann auch noch angepisst fühlen und einen (unfähigen) Rechtsanwalt loshetzen…….kommt mir alles irgendwie bekannt vor!

  3. […] Princo veröffentlichte diesen Text, welchem ich inhaltlich 100%ig zustimme! Da ich aber derzeit ein fauler Mensch bin, klaue ich rotzfrech seinen gesamten Content und mache mir diesen zu eigen!   Seid also nett und kommentiert nicht bei mir, sondern bei ihm! Ich will lediglich seinen Inhalt unterstützen! Da gibt es so eine Firma, die verkauft einen Fleischersatz aus Milch, und um den Verkauf anzukurbeln, haben sie natürlich auch eine Webseite dafür gemacht. […]

  4. princo said

    @Der Sven: Ja, da hätte man noch viel mehr Bilder einbinden können. Mir kam es allerdings nur auf einige wenige Bilder an.

    Wusstest du, daß der Campina-Anwalt exakt derjenige ist, der damals die Rechte an den dämlichen Brötchenfotos durchgeprügelt hat?

    Was es doch für grandiose Zufälle gibt. Wenn man es genau nimmt, dann müßte er sich jetzt selbst verklagen. Ich finde diese Vorstellung ziemlich reizvoll.

  5. Der Sven said

    Wäre natürlich der Hammer gewesen, wenn da noch noch Unister dabei gewesen wäre. :mrgreen:

    Der gleiche Anwalt? Uiiih – das dürfte Campina und dem Anwalt aber garnicht schmecken – ob der RA wohl in einem kleinen Dilemma steckt? 🙂

  6. stefanolix said

    Ich habe mir gerade den »Quelltext« des neuen Links durchgelesen und herzlich gelacht. Das ist ja noch die lustige Tour. Aber dort könnte jemand auch ganz andere Sachen einbinden. Wer eine Seite bewusst so offen im Web stehen lässt, ist einfach völlig fahrlässig.

  7. princo said

    Ein Impressum gab es dort bislang auch nicht. :mrgreen:

  8. princo said

    Der obige Artikel wurde um einen Nachtrag ergänzt.

  9. Falk D. said

    Es sind die Marions-Kochbuch-Anwälte, die gegen Stephan vorgehen. Und natürlich wird es das LG HH sein…

    Falk D.

  10. Der Sven said

    *LOL*
    Die Flachzangen basteln gerade an der Page herum – von 500er, über Komplettumleitungen bis zum Garnichtmehr aufrufenkönnen war bis jetzt alles dabei, WAS die STARTPAGE betrifft – aber die netten Links funzen immernoch! :mrgreen:

    Was sitzen denn da für Hirnis an der Konsole???? 🙂

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